21. Februar 2026

Wo Bali noch atmet – zwischen Reisfeldern, Tempeln und tropischen Früchten: Sidemen

0 Kommentare

So viel wurde in den letzten Jahren über Bali geschrieben. Stets im Fokus der Massentourismus und die damit verbundenen Probleme. Kann man überhaupt noch nach Bali? Und wenn ja, auch in der Regenzeit?
Die Regenzeit ist eine fantastische Zeit, Bali zu entdecken. Die Natur ist saftig und üppig. Mein Ziel ist es, die vermeintlichen Hotspots zu umgehen und dorthin zu reisen, wo Bali noch ursprünglich ist. Wo ich Menschen nur dann begegne, wenn ich ihnen auch begegnen will. Wo man auf dem Markt so gut wie keinen Touristen trifft und dort die spannendste kulinarische Entdeckung macht.

Dschungel und Infinitiy Pool

Eines vorab. Es ist meine erste Reise nach Bali. Ich habe fast alle Länder Südostasiens bereist, doch bis hierher habe ich es nie geschafft. Jetzt im Februar ist Bali nicht die Ferieninsel der Australier, die haben gerade Sommer und vermutlich vergnügen sich die meisten im eigenen Land. Trotzdem erzählt mir eine Australierin, dass es einfacher sei von Sydney aus Bali zu erreichen als Perth, das im Westen von Australien liegt. Was ich suche ist erst einmal Ruhe. Runterkommen und die lange Anreise verdauen. Es wäre tatsächlich kein Problem die ersten Tage ganz auf den Kontakt zu Menschen zu verzichten, doch dann kommt es anders. Ich werde eingefangen von der Herzlichkeit der Balinesen, bin so überwältigt von der unglaublichen Flora um mich herum und sauge den Blick von meinem privaten Pool aus auf den höchsten Berg Balis in mir auf. Ich überlasse mich sanften Händen im Spa. Und nach zwei Tagen sind die nächtlichen Geräusche des Dschungels meine Lieblingsmelodie geworden. Das saftige Grün um mich herum schenkt Energie, die ich dringend benötigt habe. Ich liege die meiste Zeit lesend im Schatten und schaue auf die Berge. Ich mache lange Spaziergänge zu den Reisfeldern um mich herum. Und erst dann bin ich bereit für einen Marktbesuch.

Markt in Sidemen

Natürlich muss ich auf den Markt. Ich muss immer auf den Markt. Im kleinen Ort Sidemen ist jeden Tag Markt, jedoch nur in den Morgenstunden. Bereits um 10:00 Uhr ist alles vorbei. Ich muss also früh raus. Überall wird geflochten und Blüten zurecht gezupft. Blüten und kleine geflochtene Körbchen sind im balinesischen Alltag allgegenwärtig. Sie sind Opfergaben für die Götter. Jeden Morgen stehen diese hübschen kleinen Kunstwerke vor den Türen der Häuser, Geschäfte und natürlich den Tempeln. Es werden hier Schlangenfrüchte verkauft, von denen ich nicht wusste, dass es unterschiedliche Sorten gibt. Die größeren sind säuerlich und kommen aus Bali, die kleineren und süßen sind aus Java. Bei den Bananen schwärmt mein Fahrer, der mich zum Markt gefahren hat von den kleinen hellen Milchbananen, hier Pisang Susu genannt. Sie sollen umwerfend cremig sein. Tatsächlich gibt es neben den 5 Hauptsorten noch weitere Varianten. Kochbananen, Opferbananen, Dessertbananen – als wären sie verschiedene Früchte.
Auch das beliebte Krupuk gibt es in unterschiedlichsten Farben und Formen. Ich kaufe eine Tüte mit hausgemachten Kräckern, was es genau ist, kann mir der Fahrer nicht erklären, aber ich erkenne Linsen darin. Sie schmecken großartig. Die Tüte kostet 20 Cent.
Und dann beobachte ich fasziniert, wie routiniert hier Erdnüsse mit Knoblauch und Chilis gemörsert werden für eine Erdnuss Sauce. So einen Mörser hätte ich auch gern. Er ist riesig. Vermischt wird diese Erdnusssauce mit Mungbohnensprossen, Bohnen und Reiskuchen. Tipat cantok heißt das Gericht und es wird kalt gegessen. Ich nehme eine Portion und bin begeistert. Diese Reiskuchen darin sind eine echte Entdeckung. Ich habe mein erstes Lieblingsgericht gefunden.

Reisfelder, Erdnüsse und überall freundliche Gesichter

Die Gegend um Sidemen ist vom Reisanbau geprägt, aber auch Erdnüsse werden hier geerntet. Die Erdnüsse von hier sind eher klein und haben ein dichteres Aroma als die chinesische Importware. Ich sehe zum ersten Mal, wie sie geerntet werden und probiere eine frische Erdnuss direkt auf dem Feld. Der Geschmack? Ganz klar Erdnuss, aber grasig frisch. Auf manchen der Felder wird der Reis gerade erst gepflanzt, andere leuchten bereits in sattem Grün. Ein Führer zeigt mir auf dem Weg zu den Reisfeldern frische Vanilleschoten, die hier am Wegrand an den Büschen hängen. Überall wächst Zitronengras und ich lerne, die Kurkumapflanze vom Ingwer zu unterscheiden (vermutlich werde ich das aber wieder vergessen denn beide haben schöne Blüten). Die Arbeiter auf den Feldern begrüßen uns immer mit einem Lächeln, wie ausnahmslos jedes Gesicht mich hier mit einem offenen Lächeln begrüßt. Die Herzlichkeit der Menschen ist einfach umwerfend. Und natürlich lächle ich hier viel öfter als zuhause. Ich sollte das mit dem Lächeln behalten und mitnehmen.

Ein einsames Restaurant auf dem Berg

Ich bin tatsächlich der einzige Gast an diesem Abend. Ein Fahrer hat mich hergebracht und so ganz war mir nicht klar, dass das kleine Restaurant die wohl spektakulärste Aussicht auf das Tal von Sidemen bietet. Es ist ein einfaches Warung, ein familiengeführtes Lokal direkt an der Straße. Ich sitze unter einem Blechdach und überschaue das ganze Tal. Regenwolken ziehen auf, wie meist am frühen Abend. Die Entscheidung, was ich bestellen könnte fällt schwer. Alles ist verlockend. Viel frisches Gemüse und Tempeh. Tempeh ist einer der Gründe, die mich hierher geführt haben. Ich will entdecken, wie sie hier diese eher neutral schmeckende Zutat in etwas Aufregendes verwandeln. Und während ich die ersten Schlucke von meinem eiskalten Bintang Bier (indonesisch und gehört zu Heineken) trinke, fängt es an zu regnen. Nicht nur ein Schauer, ein richtiger Guss. Und die Berge vor meinen Augen versinken hinter einem Schleier aus Wasser. Was für ein Panorama!

Erholung pur und das Geräusch von Regen in der Nacht

Nachts lasse ich die Tür von meiner Villa offen. Ich will eintauchen in die Geräusche des Dschungels um mich herum, sie sind meine perfekte Nachtmusik. Doch dann eines nachts zieht ein Gewitter auf, Blitze jagen über den Nachthimmel, es donnert als explodiere eine Bombe direkt über meinem Dach. Kurz darauf schüttet es. Nicht dieser heftige Tropenregen, der meist nur kurze Zeit anhält, sondern der Regen wird wütend auf die Erde geschleudert. Noch nie habe ich einen Regen mit solch einer Wucht erlebt. Gebannt starre ich auf die dicken Wasserstränge, die immer wieder von den Blitzen erhellt werden. Ohrenbetäubend prasselt das Wasser auf die Blätter. Bestimmt eine Stunde lang. Dann ist es plötzlich wieder vorbei und die Zikaden melden sich lautstark zurück. Und ich falle in einen tiefen Schlaf.

Kulinarisches

Ich hätte gerne wieder Tipat Cantok, doch das gibt es hier in dem kleinen Hotelrestaurant nicht. Ich kann wählen zwischen Nasi Goreng (Reis) oder Mie Goreng (gebratene Nudeln). Also esse ich jeden Morgen entweder das eine oder das andere. 5 Tage lang. Und das ist keineswegs langweilig, denn ich bin verrückt nach dem gezupften Huhn und dem Kokos-Sambal dazu. Continental Breakfast kann mir hier gern gestohlen bleiben. Ich schwelge lieber in tiefdunkler Drachenfrucht und frischer Papaya.
In einem der kleinen Warungs um mich herum entdecke ich Tempeh Manis, das aus feinen Streifen von Tempeh und der in Indonesien allgegenwärtigen süßen Soja Sauce Kecap Manis besteht. Es wird knusprig gebraten und schmeckt zum Anbeten gut. Und natürlich beweise ich allen, dass ich beim Thema Sambal durchaus aufgeschlossen bin. Her mit den Chilis! Diese Chilipaste geht auch schon zum Frühstück. Immer wieder ein Anlass zur Freude der Einheimischen, dass es auch Menschen aus anderen Kulturen gibt, die vor höllisch scharfem Essen nicht zurückschrecken.
Als ich den Taxifahrer auf meinem Weg hierher gefragt habe, was er am liebsten isst aus der balinesischen Küche, antwortete er „Babi Guling“. Das ist Spanferkel und dazu kommen wir noch.

Tempeh gibt es überall zu kaufen

Mie Goreng – gebratenen Nudeln

Gado-Gado

Chilis – ganz wichtig für Sambal

Tipps und Adressen

Übernachten

The Sidemen Villas
kleines feines Resort mit einigen Villen, alle mit privatem Pool. Die Bepflanzung ist liebevoll und von überwältigender Pracht. Hat auch ein eigenes kleines Spa. Perfekt zum Ankommen auf Bali. Die Anreise vom Flughafen dauert etwa 2 Stunden.
Telaga Tawang Village
Sidemen, Karangasem – Bali

Essen

Warung Makan Dwijayanti (das mit der großartigen Aussicht)

Sangkan Gunung, Sidemen
Karangasem Regency
Bali 80864, Indonesien

Warung Telaga (unweit des Hotels)

ausgezeichnete balinesische Küche, einfach und ganz frisch zubereitet
Desa, Telaga Tawang,
Kec. Sidemen
Kabupaten Karangasem
Bali 80864, Indonesien

solche kleine Läden sieht man oft entlang der Straße

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz
Ich, Claudia Zaltenbach (Wohnort: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht mir aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
Ich, Claudia Zaltenbach (Wohnort: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht mir aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: