Teil 1/3: in Los Angeles geht es los
Los Angeles eine Woche vor der Verleihung der Oscars. Die Temperaturen sind schon beinahe sommerlich, kein Wölkchen trübt den strahlendblauen Himmel. Ich bin zum ersten Mal hier. Was hatte ich mir eigentlich vorgestellt? Ich hatte überhaupt keinen Plan. Ich wollte mich einfach hineinfallen lassen in diese Stadt, deren Dimensionen kaum zu erfassen sind, und alles auf mich wirken lassen. Zwölf Stunden Flug und 9 Stunden Zeitunterschied. Mein Körper ächzt, ich will schlafen und gleichzeitig kein Auge zumachen. Ich brauche etwas, was sich normal anfühlt. Und was ist da besser, als erst einmal auf den Markt zu fahren? Zu sehen, was es gerade hier so gibt. Und dann ist da noch das mexikanische Essen, das ich endlich näher kennenlernen will. Und in eine Bar muss ich natürlich auch.
Santa Monica: Das Beste vom Farmers Market
Man sollte sich keine Illusionen darüber machen, was die Preise hier angeht – LA ist ein teures Pflaster. Eine Pizza kommt hier ohne exotische Extras gerne mal auf 28 $ (dabei nicht vergessen, dass da noch Tax und Tip draufkommen). Und wer meint, zuhause in München auf dem Viktualienmarkt seien die Preise saftig, der bekommt hier garantiert Schnappatmung. 6 $ für einen Bund Karotten? Easy. 11 $ für einen frisch gemachten Smoothie aus sonnenverwöhnten mexikanischen Mandarinen? Muss man sich leisten wollen (schmeckt aber leider super).
Am besten man fängt gar nicht erst an, darüber zu jammern. Viel besser ist es, die Stimmung hier einfach zu genießen. Ich fahre also nach Santa Monica, wo unweit des Strands jeden Samstag Bauernmarkt ist. Und weil ich da erstmal ein wenig orientierungslos auf Suche nach einem Parkplatz rumkurve, kommt mir schon ein Securitymitarbeiter einer Bank mit einem strahlenden Lächeln entgegen und erklärt mir, wo ich am besten das Auto abstellen kann und wie das mit den Parkgebühren per QR-Code funktioniert. Nett und hilfsbereit sind sie hier wirklich alle. Ganz besonders die Markthändler, die allesamt mit ihrer freundlichen, unaufdringlichen Art den Eindruck vermitteln, nichts in der Welt ist schöner, als perfekte Bete und Karotten anzubieten. Oder exotische Zuchtpilze. Der Santa Monica Markt macht es einem leicht, sich sofort wohl zu fühlen. Ich schlendere vorbei an den allerschönsten Zitrusfrüchten, entdecke Celtuce (Spargelsalat) und gönne mir einen wirklich grandiosen Bagel. Das mit den Bagels, das können sie hier einfach.
Nachdem ich mir sicher war, wirklich alles gesehen zu haben, setze ich mich mit dem Bagel und dem Mandarinen-Ingwer Smoothie an den Strand, der nur 5 Gehminuten vom Markt entfernt ist. Innerlich bin ich schon ein bisschen mehr angekommen und es fühlt sich einfach großartig an.
Mexican Food im Arts District
Der Arts District am östlichen Rand der Innenstadt von LA ist jetzt bestimmt nicht der grünste Stadtteil aber voller Überraschungen. Coole kleine Läden (wie zum Beispiel ein Laden nur mit Japanischen Schneidbrettern), Bars und einige der angesagtesten Restaurants (Damian, Baroo, Girl & the Goat, etc.) sind hier. Die wenigen Bäume an der Santa Fe Avenue sind voller lila Blüten und an jeder Ecke sieht mal kunstvolle Graffitis. Mein Plan, großartiges mexikanisches Essen zu erleben, scheint jedoch nicht so ganz aufzugehen. Damien, ein vielgelobtes Restaurant mit gehobener mexikanischer Küche, öffnet seine Türen erst um 17:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt – für mich 2:00 Uhr in der Nacht – sendet mein Körper eben jene Signale, die eher Schlaf als Essen heißen. Das ist zuviel für den ersten Tag. Immerhin war ich schon früh am Morgen auf dem Markt. Aber das Schicksal hat ein Einsehen und das heißt Ditroit Taqueria und ist die „Tages-Dependance“ des Damian. Hier, in einem eher unscheinbaren Hinterhof, gibt es alles, was das Herz an Carnitas, Guacomole und Quesadillas begehrt. Und das Beste? Sie öffnet bereits um 11:00 Uhr. Und so besteht mein erstes „Dinner“ (um drei Uhr nachmittags) aus Guacomole und Quesadilla mit Carnita und einem mexikanischen Bier.
Sonntag Morgen auf dem Hollywood Farmers Market
Es geht nach Hollywood! Sonntagmorgens ist das mit dem Verkehr hier auch annährend normal fließend und ich entdecke, dass Autofahren in LA großen Spaß macht. Es sind auch nur 14 Kilometer bis zu eben jenem Bauernmarkt, der als der beste der Stadt angepriesen wird. „Not to miss“ also. Ich verzichte auf das Frühstück, weil es hier neben den reinen Gemüse- und Obstständen auch genügend Stände mit voll gesunden Snacks und leckeren Gerichten gibt. Ein Miso gefülltes Onigiri zum Beispiel, das auf einem Holzkohlegrill angebraten wird. Oder ein Sandwich mit Cashew-Kräutercreme. Gleich neben den ersten Ständen auf dem Markt spielt eine Band und schnell wird klar, dass dieser Markt schon ziemlich in Richtung „Happening“ geht. Und irgendwie ist das ja auch schön, beim Betrachten von buntem Kohl ein bisschen Blues zu hören. Hier unterhalte ich mich am Olivenstand lange mit dem Besitzer, der mir ein herrliches Pesto nach dem anderen anbietet. Schwach werde ich letztendlich bei seinem Meyer Lemon-Pesto, ein Pesto aus den aromatischen Mandarinen-Zitronen, die es bei uns nur im Spätherbst (mit viel Glück) zu kaufen gibt. Es ist wirklich atemberaubend gut. Und damit es auch zusammen mit einem Chili-Crunch Öl sicher nach Deutschland reisen kann, wird es besonders gut eingepackt.
An einem anderen Stand kaufe ich zumindest Samen für Collard Greens (eigentlich ein Blattkohl nicht unähnlich dem Markstammkohl, den meine Tante im Schwarzwald anbaut), doch es ist natürlich viel cooler, das hier zu kaufen.
Und nein, ich habe auf dem Markt in Hollywood keinen prominenten Schauspieler beim Einkaufen entdeckt. Vielleicht habe ich da aber nur nicht den Blick dafür und sie waren überall.
Seit wann ist denen hier das Tempolimit eigentlich egal?
Ja genau, Autofahren macht hier riesigen Spaß, denn es ist alles breit und großzügig und keiner hupt einem entnervt an, wenn man mal etwas langsamer fährt. Dafür überholen sie hier auch von allen Seiten und wenn neben einem so ein Monster-Truck vorbeirauscht, dann bekommt man ein leicht mulmiges Gefühl. Die sind einfach riesig. Und dann sind da noch die Tesla Fahrer. Für die gilt irgendwie kein Geschwindigkeitslimit. Weil man nun mal mit so einem E-Auto rasant beschleunigen kann, fahren die wie wild zwischen den Spuren hin und her oder brettern gleich auf der linken Spur mit mehr als 25 Stundenkilometern mehr als eigentlich erlaubt ist. „Ich dachte immer, dass ihr das hier mit dem Tempolimit so streng handhabt“, frage ich eine Bekannte dort. Die schüttelt nur den Kopf und meint, seit Corona scheißen die alle aufs Tempolimit und die Polizei habe allem Anschein nach davor kapituliert. Aha. Na dann. Ich bin ja beim Thema Geschwindigkeit eher von der weniger zurückhaltenden Sorte und gebe also auch mal richtig Gas auf den Highways. Und siehe da – es ist nie ein Bußgeldbescheid gekommen. Zumindest bis jetzt nicht. Es ist erst vier Wochen her.
Manhattan Beach
Böse Zungen meinen ja, wenn man sie auf das wirklich magische Blau des Himmels anspricht, das käme vom Smog und vielleicht ist das auch so, aber das Licht und die Farben am Meer sind etwas Besonderes. Und dieses Blau lässt sich immer am besten am Strand erleben. Der breite Manhattan Beach ist einer der beliebtesten Strände der Stadt. In einem Supermarkt entdecke ich Sonnenspray mit Lichtschutzfaktor 70, das muss ich natürlich haben. Und setze mich mit einem eiskalten Kokoswasser an den Beach. Hach, Kalifornien… das ist schon ziemlich großartig hier.
und noch ein paar Foodie Tipps
Kitchen Land
auf Google Maps steht als Beschreibung nur „Fachhandel für Küchenbedarf“. Mehr nicht. Küchenläden finde ich ja immer toll, also nix wie hin. Und dann bin ich plötzlich im koreanischen „Kitchen Wonderland“. Hier ist alles aus Korea. Die Preise? Kaum höher als in Korea. Ich bin im Rausch und kaufe allerlei Schüsseln, Siebe und Stäbchen. Und daneben gibt es einen riesigen koreanischen Supermarkt. Allein das Regal für Kimchi misst mehr 15 Meter Länge. Völlig losgelöst packe ich meinen Einkaufskorb voll, weil es in Deutschland nicht so einfach ist, gutes Gochugaru für Kimchi zu bekommen. Hier habe ich eine riesige Auswahl.
9580 Garden Grove Blvd # 110, Garden Grove, CA 92844, Vereinigte Staaten
now serving
größter Kochbuchladen der West Coast. Die Chance, hier Bücher zu finden, die von kleinen unabhängigen Verlagen herausgegeben werden und die nie den Sprung über den großen Teich schaffen, ist groß. Das klingt natürlich verlockend. Letztendlich hat es dann aber doch keines davon in meinen Einkaufskorb geschafft aber eine Stunde lang mal wieder nur in Kochbüchern zu schwelgen tat einfach gut. Alles was ich kaufe, ist ein Food Magazin und ein kunstvolles Geschirrtuch. Beides werde ich später in meinem Mietwagen vergessen. Ein Verlust, der auch jetzt noch schmerzt.
727 N Broadway #133, Los Angeles, CA 90012, Vereinigte Staaten
spicy Margarita in Tony’s Saloon
Tony’s Saloon ist genau so eine amerikanische Bar, wie man sie aus Kinofilmen kennt. Schummrig, langer Tresen, irgendwo steht ein Flipper-Automat. Nicht, dass der Laden berühmt wäre für seine spicy Margarita, aber hier ist sie wirklich besonders gut. Das Geheimnis? Ein paar Tropfen „Rauch-Paprika-Bitter“ neben den Scheiben einer grünen Chili, die mit in den Shaker wandern. Die war so gut, dass es nicht bei einer geblieben ist. Musste ich natürlich zuhause sofort nachmachen.
2017 E 7th St, Los Angeles, CA 90021, Vereinigte Staaten
Im nächsten Bericht geht es weiter in den Nationalpark Joshua Tree. Stille, Sterne und eine blühende Wüste.







































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