1. März 2026

Was hinter einer Tüte Kacang Bali steckt – eine Spurensuche durch Balis Snackkultur

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Von der Ernte bis zu einer Erdnuss-Snack Manufaktur in Klungkung.

Mal ehrlich, ich hatte nicht vor, über Erdnüsse auf Bali zu schreiben. Ich hatte nicht einmal an Erdnüsse gedacht. Es hat sich so ergeben. Warum dieser Beitrag entstanden ist, hat mehrere Gründe. Ich sehe zum ersten Mail, wie Erdnüsse geerntet werden, probiere eine frische, ungeröstete Erdnuss und entdecke dann einen grandiosen Erdnuss-Snack in einem kleinen Supermarkt. Ich will mehr darüber wissen. Frage bei dem traditionellen Familienbetrieb Kacang Laksmi Devi Oleh-oleh an, ob ich sie besuchen darf. Und erfahre viel über die Snackkultur auf Bali.

Warum die Erdnüsse für die Reisfelder wichtig sind

Erdnüsse gehören zu den Leguminosen. Das bedeutet, sie reichern den Boden mit Stickstoff an, weil deren Knöllchenbakterien den Stickstoff aus der Luft binden. Daher werden sie oft im Wechsel mit Reis oder Mais angebaut und funktionieren als natürlicher Dünger. Außerdem verbrauchen sie weniger Wasser als Reis, was sie als ideales Anbauprodukt für die Trockenzeit macht.
Das erfahre ich, als ich bei einem Spaziergang zwischen den Reisfeldern, eine Frau beobachte, die vermeintliche Gräser aus dem Boden zieht und auf großen Haufen sammelt. „Das sind Erdnüsse“, erklärt mein Guide. Ob ich schon mal eine frische probiert hätte, will er wissen. Ich verneine. Er zupft eine Nuss am Ende einer Wurzel ab und gibt sie mir. Eine frische Erdnuss ist fast weiß, schmeckt leicht grasig aber eindeutig nach Erdnuss.
Botanisch betrachtet ist die Erdnuss keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht – und eine der wenigen Pflanzen weltweit, deren Früchte nach der Blüte unter der Erde heranreifen. Nach der Befruchtung wächst der Fruchtträger nach unten und drückt die junge Frucht in die Erde. Der Vorgang heißt Geokarpie (geo = Erde, karpos = Frucht) und ist einzigartig.
Bali ist jedoch im Vergleich mit Java, West- und Ost-Nusa Tenggara und Sulawesi eher unbedeutend, betrachtet man den Gesamtanbau der Erdnuss in Indonesien. Von den jährlich produzierten Mengen von 400.000 Tonnen in Indonesien entfallen nur etwa 2.000 – 4.000 Tonnen auf Bali.

Erdnüsse sind allgegenwärtig

Das erste, was in einem balinesischen Supermarkt auffällt, ist die riesige Auswahl an Snacks. Zwar dominieren auch hier Chips und Konsorten, doch wo die auftreten, sind Erdnüsse meist nicht weit. In einem winzigen Supermarkt in Sidemen entdecke ich eine Erdnussmischung, die mich neugierig macht. Mit Knoblauch, Chili und Kaffirlimettenblättern. Das ist so köstlich, dass ich gleich am nächsten Tag wieder danach suche, aber sie waren ausverkauft. Erst nach meiner Weiterreise nach Ubud entdecke ich sie wieder. Natürlich werden die Erdnüsse nicht nur für Snacks geröstet, sie sind auch ein zentraler Bestandteil der indonesischen und balinesischen Küche. Gado-Gado und Satay-Spieße beispielsweise wären undenkbar ohne Erdnusssauce.

Gado-Gado mit Erdnusssauce

Oleh-Oleh

“Mana oleh-olehnya?” Wo ist mein Mitbringsel? Kulinarische Mitbringsel (Oleh-Oleh) sind in Indonesien mehr als nur eine Aufmerksamkeit oder ein Gastgeschenk. Oleh-Oleh schaffen soziale Bindungen und in den meisten Fällen sind diese Snacks aus regionalen Erzeugnissen. Etwas mitzubringen ist quasi eine kulturelle Pflicht. Was eine Erklärung dafür sein könnte, warum die Supermärkte hier so opulent mit Snacks ausgestattet sind. Und auch für mich sind Erdnüsse die perfekten Reise-Mitbringsel. Satte 3 Kilo Erdnüsse kommen in den Koffer.

das ist nur ein Teil davon

Ein Besuch in der Erdnuss-Snack Manufaktur Laksmi Devi

Es mag ein bisschen ungewöhnlich klingen, aber geschäftliche Termine arrangiert man hier vorzugsweise über WhatsApp. In unseren Breiten ist es eher exotisch, eine Interviewanfrage über diesen Dienst zu stellen aber hier funktioniert das prima. Nach einer Woche auf Bali bin ich fest davon überzeugt, dass dieser Messengerdienst absolut unentbehrlich ist. Ich frage also bei Kacang Laksmi Devi Oleh‑oleh Bali an, ob ich sie besuchen darf. Und die Antwort kommt prompt. In diesem Fall muss ich auf die Fähigkeit der Übersetzungsdienste vertrauen, denn sämtliche Kommunikation erfolgt auf balinesisch. Am nächsten Tag fahre ich also nach Klungkung. Ich organisiere einen Fahrer der neben Balinesisch auch etwas Englisch spricht. Man kann ja nie wissen.

Von außen ist das Gebäude unscheinbar und nicht als Produktionsbetrieb zu identifizieren. Das ist nicht ungewöhnlich für kleinere Familienbetriebe auf Bali. Auch ist nirgendwo ein Firmenschild zu erkennen. Wieder geht die Anmeldung (wer auf Bali höflich sein möchte, kommt eine Viertelstunde zu früh) über den Messengerdienst. Das Tor wird geöffnet und der Eigentümer Ketut Raka begrüßt mich.

oben rechts der Eigentümer von Laksmi Devi: Ketut Raka

Hinter diesem Tor beginnt meine Reise in die Welt der Erdnüsse. Hier werden sie frittiert, gewürzt, verpackt und etikettiert. Alles in Handarbeit. Die drei Damen, die die Erdnüsse verpacken begrüßen mich mit einem Lächeln. Ich erkenne das, trotz Mundschutz. Ihre Augen lächeln.
Bereits 1991 wurde das Unternehmen gegründet und befindet sich seitdem in Familienbesitz. Etwa 180 Tonnen Erdnüsse werden hier jedes Jahr verarbeitet. Ein Teil der Erdnüsse ist Importware, denn der Bedarf kann nicht aus lokalem Anbau gedeckt werden. Zusätzlich zu den Erdnüssen, bietet die Manufaktur noch geröstete Bohnen an. Ebenfalls grandios gewürzt und herrlich knusprig.
Schnell wird klar, dass ich mich hier mehr auf die visuellen Eindrücke stützen muss, denn eine Kommunikation ist durch meine nicht vorhandenen Sprachkenntnisse schwierig. Mein dolmetschender Fahrer stößt an seine Grenzen. Doch umso beeindruckender ist es, den Prozess des Frittierens zu beobachten. Der Boden ist rutschig, doch die Frauen an den großen Woks bewegen sich routiniert. In der Manufaktur arbeiten ausschließlich Frauen. Solche arbeitsteiligen Strukturen sind in kleineren Lebensmittelbetrieben Indonesiens nicht ungewöhnlich — besonders dort, wo sorgfältige Handarbeit und gleichmäßige Qualitätskontrolle gefragt sind.
Ein köstlicher Duft liegt über dem ganzen Areal und vor mir liegt ein ganzer Berg meiner Lieblingsmischung. Auch die Gewürzmischung aus Limettenblättern, Knoblauch und Chili und etwas Mehl für den besonderen „Crunch“ stellen sie selbst her. Keine künstlichen Zutaten.
Aus diesem Grund, sind die Nüsse auch nur etwa 6 Monate lang haltbar. Sicher ist jedoch, dass diese wunderbaren Nüsse, das Ende ihrer Haltbarkeit bei mir nicht erleben werden.
Leider exportiert das Familienunternehmen noch nicht ins Ausland.

Was sich hinter Kacang Koro verbirgt

Nicht alles, was hier Kacang heißt, beinhaltet Erdnüsse. Die Koro-Bohne (Jack Bean / Canavalia spp.) ist ebenso wie die Erdnuss keine wirkliche Nuss, sondern eine tropische Bohne. Irgendwo zwischen Ackerbohne, Kichererbse und Lupine. Sie enthält weniger Fett als die Erdnuss und ist proteinhaltiger. Und sie ist günstiger, weswegen sie gerne als „Alltags-Snack“ in Erscheinung tritt.
Geröstet ist sie unglaublich knusprig und stärker sättigend als die Erdnuss. Dafür werde ich auf meiner langen Fahrt vom äußersten Nordwesten bis zum Flughafen noch sehr dankbar sein.

Überhaupt bin ich dankbar für die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen geworfen zu haben.

Warum gerade Snacks oft die ehrlichste Küche eines Landes zeigen

Viele nationale Gerichte werden irgendwann vereinfacht, internationalisiert und „erklärt“. Snacks kaum. Sie sind da und werden es immer sein. Eine Tüte Kacang Bali wird nicht verändert, damit Besucher sie verstehen.
Sie existiert für Einheimische — Touristen kommen nur zufällig dazu.

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