My Blueberry Days in Nova Scotia – wilde Blaubeeren soweit das Auge reicht und ein ziemlich turbulenter Reiseauftakt

Ich werde den Flieger nach Halifax nicht schaffen. Ganz sicher werde ich ihn nicht schaffen. Ich sitze in München und starre auf die Anzeige. Um 15:00 hätte der Flug nach Frankfurt starten sollen. Angezeigt wird nur, dass er verspätet ist. Wieviel? Keine Angabe.
Ich habe in Frankfurt genau 90 Minuten um meine Maschine nach Halifax zu erreichen und diese Zeit dezimiert sich zusehends. Noch immer ist das Flugzeug aus Frankfurt nicht in München eingetroffen. Dann heißt es plötzlich kurz nach 16:00. Hektisch tippe ich eine Nachricht in mein Handy und informiere die anderen über meine missliche Lage. 16:00 Abflug, wäre zu schaffen meinen sie, wenn ich renne. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich von Gate zu Gate renne. Sportlich, aber machbar. doch dann ändert sich die Anzeige wieder. 16:30. Oh nein! Das hieße, dass es unmöglich ist, die Maschine zu erreichen. Ich fühle mich betrogen in diesem Moment, kaue stumm auf meiner hochsteigenden Wut. „Kein Problem, die buchen dich dann eben um, kommst halt einen Tag später an“, heißt es schon. Ich fühle mich fürchterlich in diesem Moment. Wie als hätte man mich rausgeschickt. Du darfst nicht mitspielen. Ich erwäge den Gedanken überhaupt nicht erst nach Frankfurt zu fliegen. Wozu? Nur um in ein Hotel gebracht zu werden? Ein Eimer Selbstmitleid ergießt sich über meinem Kopf.
16:20 – wir können endlich an Bord der Maschine. Wie ein Roboter laufe ich den anderen hinterher, eingepackt in meine Enttäuschung. Noch sind wir immer nicht in der Luft. Bitter tippe ich meine besten Wünsche für den Flug für die anderen ins Handy. 16:45 sind wir endlich in der Luft.
Der Pilot muss den Turbo eingeschaltet haben, denn kaum hat die Business Class ihre Getränke, werden die Trolleys auch schon wieder verstaut. Keine Getränke, dafür sind wir schon im Landeanflug. Es ist 17: 25. Trotzdem, keine Chance.
Kurz über der Landebahn tue ich etwas, was eigentlich nicht erlaubt ist. Ich schalte mein Handy an. Eine Nachricht. „Die Maschine aus Halifax hat ebenfalls Verspätung“. Renn, Claudia, renn!“
Neben mir sitzt ein Mann in Pilotenuniform. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm von meiner misslichen Lage, frage ihn wie ich am schnellsten zum Gate komme. Er schaut aus dem Fenster und erkennt die Condor-Maschine, die gerade reingeschleppt wird.
„Wenn sie jetzt erst geschleppt wird, dann dauert es noch 40 Minuten, bis es wieder losgeht meint er. 40 Minuten! Jetzt macht rennen wirklich Sinn. Ein bisschen Drama an der Passkontrolle und ich darf zügig passieren, renne weiter Richtung Terminal B. Meine schwere Kameratasche schneidet mir in die Schulter. Da, endlich! Terminal B. Keuchend komme ich ans Gate. Ich habe es geschafft. Das Boarding hat noch nicht einmal begonnen. Meine mitreisenden Bloggerkollegen freuen sich mit mir, dass ich es doch noch geschafft habe. Ich bin glücklich. Es kann tatsächlich losgehen.

bis die Zunge blau ist….

Es ist eine kurze Erntezeit, vier Wochen dauert es, bis die riesigen Felder mit Blaubeeren abgeerntet sind. Keine Sekunde habe ich gezögert, als ich gefragt wurde, ob ich nach Nova Scotia an die Ostküste von Kanada fliegen möchte, um mir das anzuschauen.
Ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen, wie das aussehen könnte. Riesige Felder mit wilden Blaubeeren, wobei das Wort „Feld“ nicht im Sinne von unserem klassischen Ackerbau her verwendet werden kann. Diese Felder sind wirklich wild. Fällt man in Nova Scotia ein paar Bäume, übernehmen die Blaubeeren das Terrain. Sobald es Licht gibt, beginnen sie zu sprießen. Mehr als 1000 Produzenten gibt es hier, die über eine Fläche von über 40.000 Hektar verfügen. Würde man die Blaubeeren auf die Einwohner Nova Scotias verteilen, so bekäme jeder um die 20 kg Blaubeeren. Die Möwen, die verrückt sind nach Blaubeeren und gerne über den Feldern kreisen, werden dabei sicher auch berücksichtigt.

Gleich am ersten Tag geht es zur Dalhousie University, der Universität für wilde Blaubeeren. Das ist eigentlich nur ein kleines, blaues Haus mitten in einem Blaubeerfeld. Dort werden mir und meinen mitreisenden Bloggerkollegen ein paar Infos zu den Blaubeeren vermittelt. Wie das funktioniert, wohin man exportiert und von welchen Größenordnungen wir hier sprechen (72 Millionen Kilogramm, 100 Millionen Umsatz in Kanadischen Dollar). Dann geht es auch schon raus aufs Feld. Es gibt sagenhaft viele verschiedene Sorten, hier „clones“ genannt. Manche sind matt mit einer samtigen Haut, andere sind glatt und tief dunkel. Größer, kleiner, hohe Fruchtdichte, weniger dicht. Die Kleinen werden besonders gerne von der örtlichen Gastroszene verlangt, da sie auf dem Teller einfach hübscher aussehen.

Als Kind schon war ich verrückt nach einem Teller frische Blaubeeren mit kalter Milch. Das konnte ich immer essen. Es ist ein ganz eigener Geschmack, den die Blaubeere präsentiert, subtil, manche kommen mit Noten von grünem Apfel daher, andere wiederum offerieren eine Erdigkeit, die nach Erde nach einem Regen schmeckt oder grasige Noten. Ich stehe auf diesem Feld und kann es irgendwie gar nicht recht glauben. Blaubeeren, überall Blaubeeren. „Das Feld hier ist eigentlich bereits abgeerntet“, meint Gary Brown. Wie das aussieht, wenn es das nicht ist, erlebe ich dann in Parrsboro, wo es nach einer köstlichen Mittagspause hingeht. Wir fahren vorbei an der Bay of Fundy, die bekannt ist für ihren unglaublich großen Tidenhub von 21 Metern. Als wir passieren sehe ich nur Sand und Boote, die herumliegen wie tote Käfer auf dem Rücken. Es gibt an einem der Aussichtspunkte einen ganz entzückenden Leuchtturm. Wenig Menschen sind hier für einen Sonntag. Das ist wunderbar.

die beste Fishchowder ever

Chowder, ich liebe Chowder. Als ich in New York lebte, konnte ich nicht genug kriegen von Mais- und Clam-Chowder. Diese cremige Suppe, die im unglücklichen Fall mehlig-klumpig und im Idealfall samtig und wundervoll ist, ist pures Soulfood. Natürlich bestelle ich mir eine Schale Fish Chowder im Harbour View Restaurant. Und sie ist wundervoll. Keine der späteren Chowders, die ich im Laufe meiner Reise noch essen werde, wird an diese Suppe herankommen. Allein für sie würde ich wieder nach Nova Scotia reisen. Der Fisch schmeckte so herrlich, war von einer so umwerfenden Frische – man sollte nicht glauben, dass das am Meer eine Selbstverständlichkeit ist, wie ich noch lerne – dass ich kurz überlege, ob ich mir noch eine Schüssel bestellen soll.

Wilde Bio-Blaubeeren

Und diese werden in einer schier unglaublichen Fisselarbeit mit der Hand sortiert. Stundenlang läuft die Sortiermaschine auf der North of Nuttby Farm, wo alles, selbst die Ernte der Beeren reine Handarbeit ist. Hier sehen wir den Garten und das Blaubeerfeld und die erste Erntemaschine, die rein mit eigener Kraft betrieben wird. Eine große Packung mit 5 Pfund Blaubeeren wird für 24 canadische Dollar verkauft, was mir alles andere als viel erscheint, angesichts der Arbeit, die man sich hier damit macht. Leider schaffen es auch diese Beeren nicht frisch nach Deutschland, dafür ist die Blaubeere einfach viel zu empfindlich, aber in gefrorenem Zustand findet man hier in Deutschland im Supermarkt viele Blaubeeren aus Nova Scotia (unbedingt danach Ausschau halten).
Ich hab sie also schon mal für euch vorgetestet und kann nur sagen – die Beeren sind wunderbar!
Und glaubt jetzt nicht, dass frisch unbedingt besser ist als gefroren. Ich musste feststellen, dass der Kälteschock, die Beeren sogar noch ein wenig aromatischer macht.

In den nächsten Berichten nehme ich euch dann mit an die wilde Küste zum Lobster, zeige euch typische Farmen für Maple Sirup und Gemüse und grille ein Flanksteak mit einer spicy Blueberry Sauce.

einen perfekten Regenbogen gab es gleich noch dazu auf der Rückfahrt aus Parrsboro

schön, nicht wahr?

so sieht es neben den Blaubeerfeldern aus. Es blüht und duftet.

ein typisches Blaubeerfeld mit „Erntekörbchen“.

Echter Blaubeersaft aus Direktpressung. Schmeckt umwerfend gut (leider teuer).

Ich glaube das war Blaubeerkuchen #2. Einer war besser als der andere…..

Riley, mein Blaubeerhund. Den hätte ich am liebsten mitgenommen. Der liebt es, durch Blaubeerfelder zu hechten und Stöckchen zu holen.

Und so sehen die Felder dann nach der Ernte im Oktober aus…. unglaublich, oder?

(C) Gary Brown

Offenlegung: zu dieser Reise wurde ich eingeladen von der Wild Blueberry Association Nova Scotia. Die Eindrücke sind meine eigenen.

, , ,

4 Responses to My Blueberry Days in Nova Scotia – wilde Blaubeeren soweit das Auge reicht und ein ziemlich turbulenter Reiseauftakt

  1. Marc 8. September, 2017 at 17:32 #

    Du hast echt tolle Bilder geschossen! Hab meine noch nicht mal von der Kamera runtergeladen, weil ich sonst wieder Fernweh bekomme und Blaubeeren essen möchte 😉

    Bin schon sehr gespannt auf deine nächsten Berichte!

    LG, Marc

    • Dinner um Acht 8. September, 2017 at 20:01 #

      Marc, du Jetsetter, fliegst ja auch gleich weiter nach Lissabon. Ich wette, es sind mehr als 1000 Bilder, die du sichten musst. Es war toll mit dir bei den Blaubeeren.
      Busserl
      Claudia

  2. Jule vom Craftyneighboursclub 7. September, 2017 at 20:34 #

    Liebe Claudia, was für ein wunderbarer Blogbeitrag! Ich bin wieder voll in Canada beim Lesen. Deine Bilder sind so schön, lieben Dank für die tolle Zusammenfassung. Auf bald, Jule

    • Dinner um Acht 7. September, 2017 at 23:54 #

      Meine liebe Jule, vielen Dank für deine Worte. War echt schön dort. Ich vermisse unser Singen am allermeisten.
      „Ich found my thrill on blueberry hill“…..
      Summe grad.. nur für dich.
      Liebe Grüße
      Claudia

Schreibe einen Kommentar