[Kyoto] der wunderbare Nishiki Markt, Wagashis mit Aussicht und die Ruhe am Kaiserpalast

kyoto_nishiki-2Dass mein erster Weg in Kyoto mich zum Nishiki Markt führen wird, dürfte niemanden wundern. Ich habe meine Unterkunft danach ausgewählt, dass ich morgens zu Fuß den Markt erreichen kann und wer mich kennt ahnt, dass weite Wege nicht unbedingt sein müssen. Es ist mein erster Eindruck von Kyoto bei Tageslicht, als ich durch die kleinen Straßen, vorbei an alten kleinen Häusern zwischen modernen, höheren Häusern im Zick-Zack zum Markt laufe. Märkte machen mich euphorisch, noch mehr, wenn es darum geht, Produkte zu entdecken, die neu für mich sind. Auf dem Weg bleibe ich in einem Laden mit antikem Porzellan hängen, wundervolle Schälchen, Teller und Schalen. Ich weiß, dass ich meinen Koffer noch durch drei Länder werde schleifen müssen. Ich werde noch genug Gelegenheit haben, am Check-In meinen ohnehin schon schweren Koffer erklären zu müssen. Ich muss nicht gleich am ersten Tag anfangen, ihn noch mehr zu beladen.

Pickles, Algen und Matcha

Der Nishiki Markt ist der zentrale Markt in Kyoto. Ein langer, sich über mehrere Blocks erstreckender Schlauch, links und rechts gesäumt von kleinen Ständen. Einatmen. Ich bleibe stehen und sauge den Duft des Marktes in mir auf. Zwischen einer Sinfonie aus Gewürzen, Fisch, Gebratenem und Gemüsen taucht plötzlich dieser zarte, frische Ton auf, wie ein leises Instrument. Es duftet nach etwas Zitronigem. Es ist Sancho Pfeffer. Jener Bergpfeffer mit seinen blumig, zitrischen Aromen, der auf der Zunge tanzt und sie betäubt. Hier wird er frisch gemahlen. Junger Sancho Pfeffer und gereifter Sancho Pfeffer. Eine Weile beobachte ich das Mahlen des Pfeffers (merke: so ein Tütchen Pfeffer fällt im Gegensatz zu einem Teller kaum ins Gewicht).

Kyoto ist berühmt für seine unzähligen verschiedenen eingemachten Gemüse. In erster Linie natürlich der Daikon Rettich. Jede Wurzel, jede Gurke wird hier auf unterschiedliche Weise eingemacht. Ich koste Daikon Rettich mit Yuzu und Chili, eine längliche Rübe und natürlich Auberginen. Am liebsten würde ich jetzt und sofort eine ganze Wagenladung davon nach hause schicken lassen. Es wird in Miso eingemacht, in Essig und in einer Mischung mit Reis und Salz. Ich beneide die Einheimischen, die hier ihre Pickles kaufen und sie zuhause mit ihrem Reis essen können. Ich werde in meinem schuhschachtelgroßen Apartment sicherlich keinen Reis kochen und Pickles dazu essen. Ich würde es gerne. Doch die Vorstellung des Kochvorgangs ist wenig verlockend.

Meine Zunge braucht eine Ablenkung. Matcha! Hier wird der Grüntee in jeder Form angeboten. Als süßes Konfekt, als Heiß- oder Kaltgetränk und als Eiscreme. Wer mutig ist, probiert gleich die Variante mit Wasabi. Ich bin nicht so mutig an diesem Morgen, ich will erst einmal ein Eis aus kräftigem Matcha Tee. Immerhin. Es hätte auch die milde, milchige Variante gegeben.nishiki_3 nishiki_2 nishiki kyoto_nishiki-1 kyoto_nishiki-3

Yuba

Stell dir vor, es ist kalt und dich gelüstet nach einer schönen Tasse heißem Kakao. Du kochst die Milch, vorsichtig natürlich, damit sie nicht überkocht, doch plötzlich ist da diese Haut auf der Milch. Die meisten gruselt es vor dieser Haut. Ich erinnere mich genau daran, als ich einen Film über den französischen Koch Michel Bras gesehen habe, wie er ein Gericht aus Milchhaut zubereitete. Es sah unglaublich verführerisch aus. Hier in Japan macht man das mit Soja Milch. Die „Tofu Skin“ – Yuba – wird hier wie ein Fleischersatz verwendet. Es wird darin eingewickelt, die gerollte Haut wird auf verschiedene Arten zubereitet (das Aufregendste dazu habe ich in Tokio gegessen, doch dazu später mehr) und sie wird in Brühen verwendet. Ich darf einen Blick in eine kleine Manufaktur auf dem Markt werfen. Hier wird die Soja Milch gekocht und die Haut wird wie feuchte Wäsche auf langen Stäben zum Trocknen aufgehängt. Dann wird sie entweder gerollt oder in Streifen geschnitten. Auch hier gibt die Koffer-Gewichts-Instanz wieder grünes Licht, inwieweit die zarten Yuba jedoch die weitere Reise unbeschadet überstehen, gilt noch herauszufinden.

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Miso und Tea Time

Es fällt mir schwer, mich vom Markt loszureißen. Erst nachdem mein Auge und mein Hirn auch wirklich jeden Meter innerlich kartographiert haben, kann ich gehen. Mein nächstes Ziel ist ein Miso Geschäft, genauer gesagt ein Geschäft des ältestes und renommiertesten Miso Herstellers in Kyoto. Kyoto ist berühmt für sein weißes, süßes Miso. Ich schleife die Sehnsucht nach diesem Miso seit einem Abend in einem japanischen Restaurant am Tegernsee mit mir herum. Das Miso an diesem Abend wurde extra aus Kyoto importiert. Jetzt im Herbst werden bei Honda-Miso, so der Name des Herstellers, auch saisonale Miso-Kreationen angeboten. Mit Esskastanien Püree oder mit Shiso Blättern. Beides ist so überwältigend gut, dass ich es kaufen muss. Das Geschäft befindet sich der feinen Gegend rund um den alten Kaiserpalast. Hier sind die Häuser niedrig und die Straßen wirken breiter. Und es gibt ein Teehaus, welches lockt. Ich liebäugle mit einem Glas geeistem Matcha Tee. Im Garten, vor einem länglichen Teich darf ich Platz nehmen. Und ich stelle fest – ich bin im Wagashi Himmel gelandet. Lauter wunderbare süße Köstlichkeiten. Mochis, jene zuckrigen kleinen Reiskuchen, die mit verschiedenen Pasten gefüllt sind.

Ich bestelle die Herbst Kreation. Esskastanienpüree mit verschiedenen gelierten Würfeln. Alles ist unglaublich süß und vermutlich ohne einen Grüntee überhaupt nicht zu verkraften. Die Schöpfungen hier kosten ein kleines Vermögen, doch wer schon immer mal eintauchen wollte in die Welt der Wagashis, tut dies am besten hier. Mit Blick auf den kleinen Garten, das Wasser und die blühenden Bäume. Es ist die Ruhe und der Frieden, die mit dem Genuss dieser Süßigkeiten einhergehen. Es ist eine Oase.

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Es wird dunkel

Kurz nach fünf beginnt sich die Dämmerung über die Stadt zu senken. Es ist das letzte Licht, blaue Schatten, die sich über dem Kaiserpalast ausbreiten. Die Zirkaden locken mich an. Außer mir, sind nur noch eine Handvoll Menschen im Garten um den Palast. Ich setze mich auf eine Bank. Friedlich ist es hier, selbst die Luft wirkt hier weicher. Ich sitze einfach nur da, schaue in den immer dunkler werdenden Himmel. Morgen schon werde ich Kyoto wieder verlassen. Ich will ein bisschen von dieser royalen Ruhe mitnehmen, von dem Gesang der Zikaden, den sanften Lichtern um den Palast.

Kyoto ist eine wirklich schöne Stadt.

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Adressen:

Nishiki Markt
609 Nishidaimonji-cho, Shijo-Noboru, Tomikoji Tori,
Nakagyo-ku, Kyoto; 075-211-3882;
www.kyoto-nishiki.or.jp

Toraya (Wagashi)
400 Hirohashidono-cho, Karasuma-Nishiiru,
Ichijo-dori, Kamigyo-ku, Kyoto
www.toraya-group.co.jp

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4 Responses to [Kyoto] der wunderbare Nishiki Markt, Wagashis mit Aussicht und die Ruhe am Kaiserpalast

  1. Florian 18. November, 2016 at 15:58 #

    Das sind ganz wunderbare Reiseberichte! Gerade Kyoto und Tokyo finde ich super interessant, da ich das Glück habe im März auch da zu sein. Vielleicht packe ich einfach mal meinen Laptop mit ein und versuche ich mich auch am Reisebloggen, ich bin wirklich beeindruckt von deinen Berichten :)

    Liebe Grüße!

    Florian

    • Dinner um Acht 18. November, 2016 at 17:41 #

      Lieber Florian, herzlichen Dank dafür!
      Unbedingt, mach das. Ich würde mich freuen, von dir zu lesen. Und du wirst sehen, es ist auch für einen selbst ganz toll, denn die Eindrücke, die man so frisch verbloggt, über die freut man sich später immer wieder, denn sie werden dadurch lebendig.
      März, tolle Zeit. Hanami. Da musst du unbedingt drüber schreiben.
      liebe Grüße
      Claudia

  2. Liv 28. Oktober, 2016 at 18:02 #

    Liebe Claudia, das ist so ein unheimlich schöner Bericht, dass ich richtig Gänsehaut bekommen habe. Gänsehaut und ein vor Fernweh fast schon schmerzendes Herz. Einfach zu schön ♥

    • Dinner um Acht 29. Oktober, 2016 at 4:10 #

      Vielen Dank, liebe Liv, wirst sehen, irgendwann ist das Fernweh so groß, dass du da auch mal hinfährst. Und dann bist du bestimmt viel schlauer als ich und kaufst dir gleich einen Japan Rail Pass…;-) Das macht das Zugfahren praktischer. Ich dachte ja, ich fahre nicht soviel, dass sich das lohnt. Sollte sich dann als Irrtum erweisen.
      Liebe Grüße
      Claudia

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