Ferrante, Frisch und Fenchelkraut

Ich koche mich durch die Weltliteratur
Autor Nicole Giger
Verlag AT Verlag
Erscheinungsdatum 2019

In ihrem ersten Kochbuch präsentiert Nicole Giger Rezepte und Geschichten inspiriert von großen Vertretern der Weltliteratur.

Worum geht es in diesem Buch?

Nicole Gigers erstes Kochbuch vereint ihre Leidenschaften, die auch die meinen sind. Das Lesen und das Schreiben. Sie studierte Germanistik, ist freie Journalistin und Bloggerin. Ihre Familie hadert mit ihren Backkünsten (das sei viel zu gesund) und ist zufrieden, wenn sie fertigen Blätterteig aufbäckt und mit Äpfeln belegt. Dazu gibt es Sprühsahne und alle sind glücklich. Dass das so gar nicht nach dem Geschmack von Nicole Giger sein kann, merkt man sofort, wenn man ihren Blog „magsfrisch“ liest.

Ihre Homebase ist Zürich, von dort aus bereist sie die Welt, sammelte Eindrücke, Inspirationen und Aromen. Ihre kulinarischen Kreationen sind ausgefallen, stets wunderbar ausbalanciert und – wie könnte es anders sein? – von der Weltliteratur inspiriert.

Was macht es außerdem so außergewöhnlich?

Das heißt jedoch keineswegs, dass sie die in den Büchern erlesenen Gerichte einfach nachkocht.  Vielmehr lässt sie sich von ihnen tragen, oftmals dabei in der Ferne und findet über ein besonderes Gericht den Zugang zu einem der großen Literaten. Elias Canetti, Max Frisch, Nora Ephron und Salman Rushdie sind nur einige davon. Hellhörig wurde ich bei Thomas Pynchon, vor dessen Werk ich mich zweimal geschlagen geben musste, weil ich keinen Zugang dazu fand. Sie hatte „die Enden der Parabel“ gelesen, jenes Buch, wo Pynchon über annährend sechzehn Seiten beschreibt, wie er eine Banane schält und isst. Und das in schier nicht enden wollenden Sätzen. Vielleicht lag es an der Banane, dass ich diesem Werk keine Sympathie entgegenbringen konnte. Zu welchem Gericht der Autor sie inspiriert hat, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Bananenbrot.

Da ist Salman Rushdie schon eingängiger. Ihm widmet sie ein köstliches Byriani-Gericht mit Gemüse, während sie über ihre Erlebnisse auf einer indischen Hochzeit plaudert.

Überhaupt erfährt der Leser in diesem ungewöhnlichen Kochbuch sehr viel mehr über die Autorin Giger, als über die Werke der Autoren, denen sie ihre Gerichte gewidmet hat. Sie lässt sich von ihnen tragen, wie in Albanien, wo sie plötzlich in einem Restaurant im Süden des Landes mit „monochromatischen“ Salaten konfrontiert wurde, und dabei ihre Gedanken zu Paul Austers Werk „Leviathan“ wandern und zu der darin beschriebenen Künstlerin, die nur nach Farben gegessen hatte. Jeder Tag hatte eine andere Farbe. Und eben nur eine. Wie ihr Salat.

Besonders betörend ist ihre wunderbare Bildsprache. Nüchtern, klar und modern in Szene gesetzt.  Im Buch, welches keinem klassischem Schema im Sinne von Vorspeise –  Hauptgang –  Dessert folgt, hat jedes Rezept ein Bild bekommen. So etwas goutiere ich in gleichem Maße, wie ein Lesebändchen, das natürlich auch nicht fehlen durfte.

Was steht noch auf dem Speiseplan?

Melonensalat mit Halloumi, Zitrone und Basilikum
Makkaroni mit geröstetem Blumenkohl und Mascarpone
Brokkoli-Avocado-Pesto mit Ricotta
Pita mit Zitronen-Dorsch
Kürbis-Amaretti Lasagne
Thaliplatte mit Mohnkartoffeln, Hackbällchen und Channa Dal
Sobanudelsalat mit geröstetem Rotkraut, knusprigem Sesamtofu und Spinatsalat

um nur ein paar meiner Highlights zu nennen…

Für wen ist dieses Buch?

Für kochende Schöngeister.

Fazit

Wenn wir also heute darüber sprechen, welchen Mehrwert ein Kochbuch liefern sollte, so sollte es genau das sein, was uns dazu verleitet, nicht nur auf die Bilder und die Zutaten zu schielen, sondern uns in die Geschichten darin zu vertiefen.

In diesem Fall eben die Geschichten zu den Geschichten aus der Welt der Literatur. Und das kann ich nur empfehlen.

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