Einer für alles

80 Rezepte und ein Topf
Autor Julian Riess (Herausgeber),‎ Katharina Seiser (Autor),‎ Meinrad Neunkirchner (Autor),‎ Thomas Apolt (Fotograf)
Verlag Brandstätter
Erscheinungsdatum 2014

Mehr als nur Eintopf. Kreativ anders. Eins, das alle glücklich macht.

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Ich habe einen gusseisernen Topf, einen japanischen, an dem man sich ständig die Pfoten verbrennt, wenn man die Topflappen vergisst. Ich liebe diesen Topf, seine Form und die Tatsache, dass er schwarz ist wie Nacht. Schönheit muss leiden – den Satz habe ich zwar im Zusammenhang mit zwickenden Lockenwicklern und Pfennigabsätzen zur Genüge gehört, jedoch noch nie in Zusammenhang mit einem Topf. Aber das ist jetzt eben so. Dieser Topf soll es sein, der mich durch das neue Buch von Katharina Seiser und Meinrad Neunkirchner begleitet. „Einer für Alles“ – so heißt es und meint es auch genau so. Quer durchs Jahr, vom Frühstück bis zum süßen Dessert bietet dieses Buch Rezepte, die sowohl besonders, wie auch für die kleinste Kochstelle geeignet sind. Denn es bedarf ja nur eines Topfes. Natürlich locken die wunderschönen Emaille Töpfe in diesem Buch. Meine Oma hatte Emaille Töpfe doch als ich meine erste Küche einrichtete, wollte ich nur glänzenden Edelstahl. Und meist sind Töpfe für die Ewigkeit. Im Laufe der Jahre kamen trotzdem noch viele andere dazu.

Angenehm überrascht, dass es hier nicht um die vielbeschworene „One-Pot-Pasta“ geht (die finde ich nämlich wirklich zum Gruseln), sondern abwechslungsreiche Rezepte präsentiert werden, die sich nach dem saisonalen Angebot auf dem Markt richten. Viele, fast die meisten, Gerichte sind vegetarisch, doch auch Lamm, Kaninchen, Bratwürste und Fische wandern zu meinem großen Vergnügen in den Topf. Das macht es schwer sich zu entscheiden, immerhin bietet dieses Buch 80 Rezepte und auch wenn ich alles Süße erst einmal für später markiere, bleibt immer noch genug. Gut so. So soll ein gutes Kochbuch ja schließlich sein. Man kauft sich ja auch nicht eine komplette CD nur weil man einen Titel davon mag.

Schmeichelnd in farblicher Gestaltung, Haptik und Grafik, sind es vor allem die klare Struktur, die Piktogramme und das Verzeichnis, die den ersten Eindruck prägen. Und dass jedes Gericht ein Bild bekommen hat. Das ist die Handschrift von Katharina Seiser, Präzision mit Herzblut. Genau das, was ich an einem Buch liebe, wenn ich es oft in Gebrauch habe. Meinrad Neunkirchner,  Haubenkoch und ein Schüler Eckart Witzigmanns, hat die Rezepte mit sicherem Gespür entwickelt. Ihm gelingt es, mit  überschaubaren Zutatenlisten, ein Aromenspiel mit raffinierten Gewürzen und Zutaten zu eröffnen, so dass sich die Sinne sofort danach sehnen in den Topf zu greifen.

Was also zuerst kochen, wenn düstere November Nebel aufsteigen, sich die Seele nach Wärme und Zufriedenheit sehnt? Ich liebäugle mit der Wirsingroulade mit Rotkohlfüllung und Quitten. Oder einem Couscous mit Dörrobst. Das indische Curry mit geröstetem Kokos lockt ebenfalls. Doch dann ist es die arabische Minzsuppe mit Auberginen, Datteln und Okra die gegen den November Blues antreten soll. Vielleicht auch, weil das sie das Attribut „schnell“ bekommen hat. Und weil ich es liebe, an einem Samstag vormittag die türkischen Gemüsehändler zu besuchen. Da bekomme ich ganz sicher Okras.

An den Rezepten gefällt, dass sie durchgängig kleine Extras anbieten. Das kann eine Variation der Zubereitung und der Zutaten sein, oder eine Weinempfehlung. Auch Tipps für die Zubereitung werden unaufdringlich angeboten. Und auch wenn dieses Buch in zwei separaten Kapitel auf die Vorzüge eines Emaille Topfs eingeht, so ist dies durchaus unterhaltsam, denn wie gesagt – mit diesem Topf verbinden mich Emotionen. Das hat was von Tradition mit Sehnsuchtsfaktor.

Das Rezept hat jedenfalls nicht zuviel versprochen – ein herrlicher Duft nach Minze, Kreuzkümmel und anderen Gewürzen zieht durch die Küche. Die Okra ist genau so knackig, wie ich sie liebe. Die Aubergine weich und zart. Die Datteln geben ein tiefe Süße. Und noch schneller als sie gekocht wurde, ist der Topf leer. Und die Nebel – die waren danach verschwunden. Aber das lag jetzt vielleicht nicht an dieser wunderbaren Suppe.

Was das Buch sonst noch alles bietet:

Rezepte für Frühstück & Brunch (endlich Alternativen zu meinem geliebten Porridge), Feines für Körner und Getreide (der Bulgur mit Spargel und Zitronenverbene weckt Frühlingsgefühle, Nudeln (yeah – zum Beispiel aus Roter Bete mit Kümmelcreme und Majoran), ein Räucherfischauflauf mit Dill und saurer Sahne, und das mit zarten Rübchen geschmorte Lamm.

Spannend wird es, wenn zusätzliches Equipment wie ein Dämpfeinsatz mit ins Spiel kommt. Dann werden Bratwürste über Buchenholz geräuchert oder kleine Wildschweinlaibchen (die hier in Bayern natürlich Pflanzerl heißen).

Natürlich kann man in einem Topf auch backen. Buchteln, Tarte Tatin und Schwarzbrotauflauf mit Dörrpflaumen und Lebkuchenaroma und auch Brot. Da macht dann vielleicht mein Japanischer Topf nicht mehr mit, aber vielleicht findet sich ja noch ein Plätzchen in den Schränken für einen Neuzugang. Das Buch jedenfalls ist ein gelungenes Kompendium, was alles mit nur einem Topf zu zaubern ist. Und sind wir doch mal ehrlich – nichts freut die Köchin mehr, als wenn’s mal weniger aufwendig beim Abspülen ist.

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