8. August 2016

[La Route: Vom Mittelmeer an den Atlantik #2]
Montpellier – das moderne Gesicht der Stadt, Sterneküche von Pascal Sanchez und einfach mal mit der Tram ans Meer fahren

Montpellier, kulinarische Reisen, Frankreich | 0 Kommentare

HeaderIn nicht ganz zehn Minuten bin ich in einer anderen Welt. Solange dauert es, mit der Tram in den neuen Teil von Montpellier zu gelangen. Internationale Architektengrößen wie Zaha Hadid, Massimiliano Fuksas und Jean Nouvel haben einen fulminanten Kontrapunkt zu den kuscheligen, mittelalterlichen Gassen im alten Teil gesetzt. Das Betonschiff, die Hochschule für Hotel und Tourismus, das Rathaus – coole Bauten, bei denen manchmal ein wenig Bedauern in mir aufkeimt, weil so viel Mut scheinbar in Deutschland nicht möglich ist. Wer immer hier Bauvorhaben genehmigt, Hut ab, das ist spektakulär.
Mein Ziel liegt im Viertel Port Marianne. Das RBC, der Design Tempel von Jean Nouvel, wo sich auch das Michelin besternte Restaurant von Pascal Sanchez befindet. Noch kann der Himmel sich nicht so richtig entscheiden, ob er sich von den Wolken trennen will und so ist es natürlich perfekt vor dem Essen ein paar schicke Möbel anzuschauen. Wenn ich das tue, bekomme ich immer schnell Lust, meine komplette Wohnung zu entrümpeln und neu einzurichten. Kann man ja machen. In Gedanken zumindest. Ich entdecke die Bücherecke und, wie nicht anders zu erwarten war, die Kochbücher. Dort ziehen mich einige kleine Bücher, eigentlich eher Hefte, in ihren Bann. Jeweils zehn außergewöhnliche Rezepte zu einem bestimmten Thema. Zitrone, Quitte, Kaviar aber auch Blut, Tee und Algen. In französischer Sprache natürlich. Was soll’s. Es ist eh an der an Zeit mal wieder meinen kulinarischen Wortschatz aufzufrischen.

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Sterne Lunch im Mia

„Vor zwei Wochen haben mir die Tomaten noch nicht gefallen, da gab es dann nichts mit Tomaten“, erklärt mich Pascal Sanchez, Besitzer und Küchenchef des Restaurants Mia. Er will für seine Küche alles aus der Region beziehen und ja, er kann aus einem wahren Füllhorn schöpfen. Auf der einen Seite das Land und gerademal 15 Minuten bis zum Meer. Und so mischt er auch in seiner Küche gerne das Meer mit dem Land. Serviert Roastbeef gerne mal mit Kaviar, Blumenkohl und Wacholder. Sein Restaurant im Erdgeschoss des Design Centers ist ein lichtdurchfluteter Raum mit, wie es nicht anders in so einer Umgebung zu erwarten ist, spannenden Lampen und teils stylishen Sesseln, in denen man sich verstecken kann. Davor noch eine große Terrasse. Ich überlasse ihm die Wahl des Menüs. Kurze Zeit später bekomme ich Sardinen auf einer Brunoise aus Pfirsich, Gurken und Erdbeeren, eine Olivencreme und einen Apfelsalat mit Piment d’Espelette, Schnittlauch und Gurkengranita. Alles wunderbar leicht, geschmacklich toll ausbalanciert und jeder Bissen mit einer kleinen Überraschung. Äpfel mit Schnittlauch? Tolle Sache, wird sofort für später gespeichert. Es folgt ein Orangensorbet mit Marquisette, einem regionalen Aperitif, aufgegossen und mit einem Sponge Cake serviert. Zum Hauptgang Hühnchen Supremes mit einer tiefgründigen Zwiebelsauce und delikatem Knusper. Ein grandioses Lunch und trotzdem fühle ich mich nicht übersättigt. Und zum Dessert hat der Himmel sich dann endlich auch entschieden und die Wolken sich verziehen sich. Zusammen mit ein paar Süßigkeiten, bekomme ich noch von Pascal die dringende Empfehlung ans Meer zu fahren. „Nimm die Tram, die hält direkt hier vor der Tür.“ Hierher würde ich gerne öfters kommen.

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Küchenchef Pascal Sanchez (1 Michelin Stern)

Mia Montpellier

Allein in der Strandbar

Es ist ein Wochentag und wie es scheint, hat außer mir und ein paar Schülern, niemand Zeit an den Strand zu fahren. Es dauert tatsächlich nur gut 20 Minuten, vorbei an großen Einkaufscentern und durch die Vororte, dann an der Endstation noch in den Shuttle Bus zum Meer und schon stehe ich mit den Füßen im Sand. Hinter der Düne breitet sich unbebauter Strand aus. Am Horizont ein paar Kite Surfer, der Eisverkäufer hat nicht viel zu tun an diesem Nachmittag. Natürlich gehe ich in der Regel nicht mit einem Badetuch unterm Arm in ein Sternerestaurant und in Ermangelung nicht nur eines Badetuchs sondern auch der entsprechenden Strandbekleidung, sprich Badeanzug, bleibt mir nicht viel anderes übrig, als mir die Hosen und Ärmel hochzukrempeln und in die verlassene Strandbar zu stapfen. Sitze einfach nur da und starre auf den weiten Horizont. Und nicht erst jetzt beginne ich zu erahnen, wie unglaublich reich beschenkt Montpellier ist. Morgens ein Frühstück in einem Künstlercafé in der Altstadt, mittags ein Lunch im modernen Teil der Stadt und den Nachmittag am Strand verbringen. Ehrlich, daran könnte ich mich gewöhnen. Schöne Markthallen gibt es auch (an dieser Stelle würde ich meine Aussage gerne noch mit einem kleinen, sehnsüchtigen Seufzen dekorieren).

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Mach dich locker, Claudia!

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Als ich am Abend das La Panacée betrete, fühle ich mich ein bisschen wie in meiner alten Mensa. Anstehen um Essen und Getränke zu kaufen, vorher noch Besteck mitnehmen und dann in den Garten an einen der Tische setzen. Es sieht zwar hier schicker aus, als in meiner Mensa, aber das ist jetzt irgendwie nicht das, was ich erwartet habe. Und Plätze gibt es da draußen auch nicht mehr. Kurz zuckt dieser Muskel da vorne an der Nase, die Zicke in mir drängelt sich hervor. Nur um kurze Zeit später so eine richtige Klatsche zu bekommen. Ich werde mit einer überwältigenden Freundlichkeit empfangen, ein kleiner Tisch wird in den Garten getragen und der Küchenchef persönlich kommt zu mir um zu fragen, was ich gerne essen würde. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass man mir jetzt hier eine Extra-Wurst braten will, mich umgarnen will, sondern sie wollen mir einfach die Möglichkeit eröffnen, an dieser unglaublichen Atmosphäre teilzuhaben. Mach dich locker! Genau das mache ich (auch für andere Gäste wurden noch Tische rausgetragen). Und während ich kühlen Wein trinke und die wirklich umwerfend guten Kartoffelbällchen in mich hineinschiebe, beobachte ich den großen Tisch in der Mitte, wo sich Studenten aller Kulturkreise und Länder fröhlich unterhalten und zusammen essen. Es ist ein wundervolles Bild. Jedes Alter ist hier vertreten und alle sind freundlich zu einander. Jeder redet irgendwie mit jedem. Ich muss über die Rübenrohkost am Nebentisch schmunzeln und schon bin ich mit dem Nebentisch im Gespräch. Dieser Ort ist Künstlerpicknick, Semesterfeier und Open Air Feeling in einem. Warum noch mal habe ich gezögert? Keine Ahnung. Das hier muss man erlebt haben.

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Merci Montpellier!

Adressen

Mia
609 Avenue de la Mer-Raymond Dugrand
34000 Montpellier
www.miarestaurant.fr/

La Panacée
14 Rue de l’École de Pharmacie
34000 Montpellier
lapanacee.org/fr

Was noch wichtig ist:
Unbedingt die City Card von Montpellier kaufen. Damit kann man nicht nur beliebig viel in der Gegend rumfahren, auch Eintritte zu Museen sind frei.
www.montpellier-tourisme.fr/Preparer-Reserver/Visites/City-Card-Montpellier

Hinweis: Mit diesem Beitrag nehme ich am French City Award 2016 teil. Die Reise wurde von Frankreich Tourismus und Montpellier Tourismus unterstützt. Alle Eindrücke sind meine eigenen.

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