Wo bitte geht’s zum Lachs? Ein Besuch der Aquakultur im norwegischen Bergen

Der liebste Fisch der Deutschen ist der Lachs. Danach kommt mit einigem Abstand die Garnele gefolgt von Thunfisch und anderen Fischen. Jetzt sind wir ja nicht einmal so große Fischesser, also verglichen mit den Portugiesen beispielsweise. Die essen fast viermal soviel Fisch. Noch im vorvorletzten Jahrhundert sah das etwas anders aus. Als es noch Lachse im Rhein gab, ließen sich Hausangestellte gerne mal in den Arbeitsvertrag schreiben, dass sich nicht mehr als zweimal in der Woche Lachs essen müssen. Müssen, von müssen kann heute gar keine Rede mehr sein. Ganz gleich in welches Sushi Restaurant ich gehe, Lachs ist immer meine erste Wahl (vielleicht mit ein paar klitzekleinen Einschränkungen, wenn ich in Japan bin). Würde der Lachs, den wir so erfolgreich aus den Flüssen wie dem Rhein vertrieben haben, also nicht in Aquakulturen gezüchtet, würde es mickrig aussehen auf dem Laufband im Running Sushi. Der Wildlachs aus Schottland mag diesen Bedarf nicht decken. Norwegen, gesegnet mit Fjorden und klarem Wasser hat bereits in den 50’er Jahren mit der Zucht von Regenbogenforellen angefangen. 2006 machte Fisch aus norwegischer Aquakultur bereits mehr als 50 Prozent des Exports aus. Nicht alles war immer rosig in dieser Erfolgsgeschichte. Die Bekämpfung von Krankheiten und der Futtermitteleinsatz sind zwei dieser Triggerworte, die einem einfallen, wenn man an Zuchtlachs denkt. Zugegeben, „Wild“ klingt immer schöner, aber nicht alles was aus der Wildnis kommt, ist auch rein und unbelastet.

Auf Einladung des Norwegian Seafood Councils und Friedrichs Feinfisch (über die ich schon von der Müritz berichtet habe, zum Bericht) darf ich mir also selbst ein Bild über die Aquakultur in Norwegen machen. Von der Aufzucht der Fische, dem Leben der Lachse auf den Farmen und der Vorbereitung für den Export. Natürlich werde ich auch wieder Lachs essen, grandiosen Lachs wird es geben, vom Gewinner des Bocuse d’Or höchstpersönlich zubereitet, doch dazu kommen wir später.

 

Die Kinderstube der Lachse und Fjordforellen

Lerøy ist einer der größten Betreiber von Aquafarmen in Norwegen. Unweit von Bergen liegt befindet sich das „Kinderzimmer“ der Lachse und Fjordforellen und wo fotografieren normalerweise verboten ist, dürfen ich und meine mitreisenden Bloggerkollegen einen Blick auf die Kleinen werfen. Gerade mal daumennagelgroß sind die Winzlinge, die in 22 – 36 Monaten auf ein stattliches Gewicht bis zu 6 kg heranwachsen. Doch erst einmal wandert der junge Lachs nach etwa 4 Wochen in einen Süßwassertank. Hier bei Lerøy stehen viele dieser Becken und über Schläuche wandern die kleinen Fische von einem Becken ins andere. Zu zigtausenden schwimmen sie hier immer im Kreis. Tag ein Tag aus. Der Lachs verbringt in ihnen seine ersten zehn bis sechszehn Monate, bis er als Smolt alt genug ist für die Gewöhnung an Salzwasser.

Draußen auf dem Meer

Etwa 22 Monate wird er in den Becken in Norwegens Gewässern verbringen, bis er verarbeitet wird.  Bereits beim Anflug auf Bergen habe ich sie gesehen, die großen Ringe auf dem Wasser, ein Schiff unweit davon entfernt. In diesen Netzkäfigen, die einen Durchmesser von 50 Meter haben und 20 bis 50 Meter tief sind, läuft fast unentwegt die automatische Fütterung der Fische. Während die Lachse meist in der Tiefe unterwegs sind, besuchen wir eine Farm mit Fjordforellen, die man auch von der Oberfläche her beobachten kann. Zum ersten Mal nach drei sonnigen Tagen beginnt es zu regnen, als wir die Farm erreichen, doch das hält uns nicht davon ab, den Käfig auch mal zu Fuß zu erkunden. Auf dem Wasser. Das ist schon ein bisschen spektakulär. Man steht mitten auf dem Meer auf einer Planke und beobachtet die bunten Fjordforellen (übrigens ein Exportschlager in Japan).

Foto Marius Fiskum mariusfiskum.no für www.fischausnorwegen.de

unteres Foto: Marius Fiskum mariusfiskum.no für www.fischausnorwegen.de

Ganzheitliche Verarbeitung, nennen wir es mal „Mouth-to-Fin“

Jeden Tag werden tausende Lachse bei Lerøy verarbeitet. Sie werden kontrolliert und per Hand sortiert und auch wo Maschinen heute das Ausnahmen der Fische unterstützen, es sind die Mitarbeiter, die jeden Schritt überprüfen. Die Abfälle, werden weiter zu Fischöl verarbeitet, das reich an Omega3 Fettsäuren ist und welches von den meist asiatischen Touristen in Norwegen palettenweise eingekauft wird.

Wer glaubt, dass ein Lachs, der gerade aus dem Meer gezogen wurde perfekt für Sushi ist, den muss ich leider enttäuschen. Erst nach 2 – 3 Tagen ist er perfekt für Sushi, vorher ist er bretthart und erst nach dieser Zeit, ideal für den Transport also, ist er richtig. Genauso, wie ich das bei der Lachsverarbeitung bei Friedrichs an der Müritz kennengelernt habe.

Los, stellt sie, die unbequemen Fragen!

Wie ist das mit dem Antibiotikum? In der Massentierhaltung ja durchaus kein unbekanntes Thema, doch im Aquafarming in Norwegen ein No-Go. Die Lachse werden hier geimpft und ständig kontrolliert. NIFES, das Nationale Institut für Ernährungs- und Seafoodforschung, das wir auch besuchen, kontrolliert permanent den Fisch und darf als einziger auch unangekündigt bei den Lachsfarmen auftauchen. Und das tun sie auch. Wir besuchen das Institut und lassen uns von dem Wissenschaftler Ole Jakob Nøstbakken erklären, was heute wichtig ist in der Fütterung der Fische. Pflanzenöl zum Beispiel. Meist wird das aus Raps gewonnen.

Wird daher auch auf Glyphosat getestet? Wird nicht verlangt, wird aber getan.

Was tut die Norwegische Aquakultur für das Wasser? Ein Projekt davon ist beispielsweise das Projekt Ocean Forest, das auch von Lerøy unterstützt wird. Hier geht es um nachhaltige Aquakultur, genauer gesagt um den Anbau von Algen. Sie stellen eine größten Ressourcen bei Fragen nach Nahrung für das Jetzt und in der Zukunft dar. Sie verarbeiten CO² und in der Nähe von Fischfarmen tragen sie dazu bei, den CO² Fußabdruck eines Lachses möglichst klein zu halten.

Seit Start der Lachszucht, seit also über 40 Jahren,wurde kein einziger Fjord in Norwegen beschädigt. Am Ende eines Produktionszyklus liegen die Anlagen per Gesetz 3 Monate brach, bevor sie erneut mit Fischen besetzt werden können.

Wie schaut es generell mit der Belastung der Fische aus? Schwermetalle, Dioxin –   Sachen, die wir auf keinen Fall in unserer Nahrung haben wollen. Hierzu veröffentlicht NIFES jedes Jahr einen Bericht, der Aufschluss darüber gibt, was gefunden wurde und wie das im internationalen Vergleich gemessen an den Richtlinien der EU aussieht.

Besuch im NIFES Institut, wo der Lachs geprüft wird – auf so eine Aussicht beim Arbeiten bin ich schwer neidisch

Wer hat jetzt Lust auf grandiose Fischküche?

In den nächsten Tagen nehme ich euch mit in die spannendsten Fischrestaurants in Bergen und Umgebung. Es geht mit einem Boot zu einer Insel, wo es großartige Muscheln gibt, natürlich noch mehr Lachs (u.a. vom Gewinner des Bocuse d’Or zubereitet) und in das Restaurant Lysverket, das laut White Guide (das nordische Äquivalent zum Guide Michelin) das beste Lokal in Bergen ist.

Neben allem, was ich in diesen Tagen gelernt habe, durfte der Spaß natürlich nicht zu kurz kommen. Und mit meinen Bloggerkollegen Nic (www.luziapimpinella.com), Dirk (www.gourmet-blog.de ) Björn (www.herzfutter.net ), Kerstin (www.mycookingloveaffair.de ), Tina (www.tinastausendschoen.de ) und Denise (foodlovin.de )  hatte ich richtig viel Spaß. Eine fantastische Truppe (mit der man auch mal schmutzige Seemannslieder auf dem Meer singen kann).

Foto Marius Fiskum mariusfiskum.no für www.fischausnorwegen.de

 

Offenlegung:  Die Reise nach Bergen wurde unterstützt von Friedrichs Feinfischmanufaktur und dem Norwegian Seafood Council. Vielen Dank dafür. Trotzdem ist dieser Bericht aus meiner Sicht geschrieben.

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3 Responses to Wo bitte geht’s zum Lachs? Ein Besuch der Aquakultur im norwegischen Bergen

  1. Nicole Klauß 23. Mai, 2017 at 8:28 #

    Vielen Dank, liebe Claudia, für diesen tolle Insider-Bericht“l. Was ich von meinem Fischmann hörte, ist dass diese Netze mit den Fischen die Fjorde mit Fischfäkalien „versorgen“ und daher gibt es aufwändige mobile Konstruktionen, die mittels Schiffen die Netze durch die Fjorde ziehen… Hast du davon was gehört?

    • Dinner um Acht 23. Mai, 2017 at 9:27 #

      Liebe Nicole, es gibt die Schleppbecken wohl, aber gesehen habe ich sie nicht. Dort waren alle nur stationär.
      Einen Tag lang war ich ja auch in Eigenregie auf dem Meer unterwegs, aber auch da gab es nichts zu sehen, was seltsam aussah. Und ich schaue da schon genau hin.
      Liebe Grüße
      Claudia

Trackbacks/Pingbacks

  1. Schmausepost vom 26. Mai | Schmausepost - 26. Mai, 2017

    […] Auf der Fisch­farm: Clau­dia von „Din­ner um Acht“ fährt nach Nor­we­gen und blickt dort hin­ter die Kulis­sen einer Lachs-Aquakultur. Wie alle ihre Rei­se­be­richte ist auch die­ser über die Auf­zucht und das Leben der Fische inter­es­sant, flo­ckig geschrie­ben und gewürzt mit prima Fotos. Din­ner um Acht […]

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