Viktualienmarkt – Eindrücke der Sinne #1

Es ist Samstag Morgen kurz nach 9 Uhr. Der Himmel kann sich nicht entscheiden, ob er die Sonne freigeben soll, kurz blitzt sie manchmal durch. Parkplätze gibt es um diese Uhrzeit noch genug. Im Parkhaus natürlich.

Die Marktleute haben noch Zeit für ein Schwätzchen. Zeit für ein Lächeln. Die Touristen sind noch nicht angekommen.

Ich bin auf der Suche nach Rochenflügel, doch diesen gibt es heute nicht. Ich hätte vorbestellen müssen und selbst wenn ich das getan hätte, ist es nicht sicher, dass ihn auch bekommen hätte. Er darf auf keinen Fall älter als ein Tag sein, erklärt mir der freundliche Fischverkäufer, sonst röche er wie Ammoniak. Danke. Aber der Schwertfisch sieht großartig aus (auf keinen Fall älter als ein Tag). Ich lasse mir ein großes Filet abschneiden, liebäugle noch mit dem Seegras. Vielleicht beim nächsten Mal.

Ich beobachte die Menschen, die sehnsüchtigen Blicke nach dem ersten deutschen Spargel. Noch ist sein Preis wahrlich fürstlich.

Kleine Artischocken von dunkler Farbe liegen ausgebreitet und ich denke an ein Gratin. Fein geschnittene Artischocken in Olivenöl im Ofen gegart mit einem Hauch Zitrone. Oder vielleicht doch ein paar der ersten Hopfensprossen? Hübsch sehen sie nicht aus, wie sie da in ihrem Körbchen liegen. Würden sie anfangen sich zu bewegen, es hätte mich nicht gewundert.

Ich kaufe Wildkräutersalat – der erste in diesem Jahr. Dazu noch Rosmarin und Koriander – mein Schwertfisch soll es schließlich gut haben.

Und ich entdecke junge Saubohnen, deren äußere Haut so zart und weich ist, dass ich sie fortan lieber Samtbohne nennen würde. Ein angenehmes Gefühl, wenn man darüber streicht. Schnell lasse ich mir von der Verkäuferin eine gute Handvoll einpacken, bevor ich konsternierte Blicke ob meines Tuns ernte. Bohnen streichelt man schließlich nicht. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Oder doch?

 

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