Social cooking – Essen ist das stärkste soziale Medium
Fünf Nationen an einem Tisch und Wildkräuterknödel mit Tomaten-Zimt Sauce

„Food is the strongest social media“, diesen Satz habe ich von Alex Atala. Bestimmt hat auch dieser großartige Koch aus Sao Paulo, den ich kennenlernen durfte, diese Aussage nicht selbst erfunden, doch das macht sie nicht weniger wahr. Er hat Recht, denn nichts bringt Menschen mehr zusammen, als ein gemeinsames Essen. Noch schöner ist es, wenn man es gemeinsam kocht.
Genau das war der Plan. Gemeinsam kochen mit den Girls vom MAMoo.

Das alles hat natürlich auch eine Vorgeschichte. Als ich im vergangenen Jahr den Food Blog Award gewinnen durfte, bekam ich unter anderem einen Gutschein für Lebensmittel geschenkt. Der Gutschein war großzügig und meine Freude darüber groß. Vielleicht teile ich dieses Gefühl mit anderen Menschen, dass, wenn mir etwas wirklich Großartiges widerfährt, ich das Bedürfnis habe, der Welt etwas davon zurückzugeben. Und da kam Tatendrang, die Agentur für ehrenamtliches Engagement und der Internationale Bund ins Spiel. Ich meldete mich dort und erklärte, dass es mein großer Wunsch sei, mit diesem Gutschein, einer sozialen Einrichtung in München eine Freude zu machen. Und Tatendrang vermittelte mich an eine Schutzstelle für Flüchtlingsmädchen. Die durften sich bestellen, was sie wollten und mit diesem Gutschein ihr Weihnachtsfest ausrichten. Ich bekam eine wunderbare Dankeskarte. Ich hatte diesen Mädchen eine Freude gemacht und das wiederum machte mich glücklich.
Doch damit war die Verbindung zum Internationalen Bund noch nicht vorbei und der Kontakt mit meiner Ansprechpartnerin Judith blieb erhalten. Eine von uns beiden hatte die Idee, dass es doch toll wäre, einmal gemeinsam zu kochen. Vielleicht in einer Einrichtung, wo die Mädchen, eigentlich junge Damen, schon etwas älter sind. Ich sagte zu. Ich steckte mitten in der heißen Phase meines Buches und war dankbar um jede Minute, die ich mir freischaufeln konnte, um mich diesem zu widmen. Es wurde April, es wurde Mai und auch der Juni verging wie im Flug. Dann hatten wir endlich einen Termin gefunden.

Was ist das MAMoo?

Das MAMoo bietet für Mädchen und junge Frauen Wohneinrichtungen an, wo sie in größtmöglicher Eigenständigkeit und dennoch mit der Option sozialpädagogischer Betreuung leben können. Auch junge Frauen aus Flüchtlingsländern leben hier. Die angebotene sozialpädagogische Begleitung umfasst im Wesentlichen die schulische/berufliche Unterstützung und bei der gesellschaftlichen Integration. Sie endet mit dem Umzug in die Selbständigkeit.
Soviel wusste ich also vorab. Wem ich dort begegnen würde … ich hatte keine Ahnung.

Let’s cook!

Allein die Auswahl, was wir gemeinsam kochen wollen, stellt mich vor eine Herausforderung. Ich will nicht komplett daneben liegen. Vegetarisch ist da schon mal ganz gut. Und gerne mit regionalem Bezug, aber auch mit ein paar mediterranen Aromen. Einfach, raffiniert und für eine größere Menge geeignet. Ich entscheide mich für kleine Knödel mit Wildkräutern mit einer Sauce aus frischen Marzano Tomaten und Parmesan in der Hoffnung, dass keine Glutenunverträglichkeit diesen Plan gleich scheitern lassen sollte. Dazu noch einen Salat.
An eine mögliche Laktose-Intoleranz habe ich natürlich nicht gedacht, doch auch lakto-freie Milch ist schnell noch besorgt. Anfangs sind wir nur zu viert, zwei junge Frauen, eine Betreuerin und Judith, die ich jetzt endlich einmal persönlich kennenlernen darf. Geplant war für zehn Personen. Doch dann kommen immer mehr dazu – eine junge Frau aus Afghanistan, eine Somali, es wird immer vielfältiger. Gemeinsam rollen wir die kleinen Knödel, hacken Kräuter, hobeln Käse und unterhalten uns über alles Mögliche. Und ja, es gab auch nachdenkliche Momente, dann, als die junge Frau aus Afghanistan mir von ihrer Flucht erzählte. Doch dann lachen wir auch alle wieder.

Sie waren alle wunderbar diese jungen Damen (und verrückt nach meinem kanadischen Ahornsirup)! Ich hatte einen so fantastischen Abend mit ihnen. Und meine Sorge, dass alles viel zu viel sein würde, war völlig unbegründet.

Wie machst du das mit der Salatsauce?

Genau dafür habe ich den Ahorn Sirup mitgebracht. Eine gute Salat Sauce braucht etwas Süße und dafür nehme ich gerne Ahornsirup. Was für Kräuter ich nehme, wollen sie wissen. Ich erkläre die Wildkräuter, die in die Knödel wandern.
„Krass, da sind ja auch Blumen drin!“
Ja genau, in einem guten Wildkräutersalat sind meistens auch Blüten drin. Es gibt viele Blüten, die man essen kann. Gibt es Einwände, wenn Knoblauch in die Sauce kommt, frage ich. Auf gar keinen Fall. Knoblauch darf gerne viel und reichlich sein.

Die Tomatensauce ist der Hammer!

Tomatensauce mit etwas Zimt, Baharat und gedünsteten Zwiebeln. Das ist alles. Im Topf sanft geschmolzen. Sie ist als erstes verputzt. Immer wieder werden die Teller aufgefüllt, alles wird mit Begeisterung aufgegessen. Allen schmeckt es.
In diesem Moment sitze ich in einer Kapsel aus Glück. Ich sehe alles, bin mittendrin und doch sehe ich diesen wunderbar großen Tisch aus einer höheren Perspektive. Ich genieße diesen Moment.
Diese fabelhaften jungen Frauen haben mir mit ihrer Begeisterung viel mehr mitgegeben, als was ich in drei Tüten angeschleppt habe.

Er ist also einfach wahr dieser Satz. Nichts verbindet mehr, als ein gemeinsames Essen. Probiert das einfach mal aus. Kocht mit Menschen, die ihr noch nie im Leben zuvor gesehen habt. Esst gemeinsam. Die Gespräche kommen von ganz allein.

Wildkräuterknödel mit Tomaten-Zimt Sauce und Parmesan

Für Vier
500 g Knödelbrot
ca. 400 ml lauwarme Milch
2 Handvoll Wildkräuter
1 Schalotte
1 El Butter
2 Eier (Größe M)
Salz, Pfeffer
evtl. noch 2 – 3 El Semmelbrösel

Tomaten-Zimt Sauce
500 g Kirschtomaten
2 Schalotten, feingehackt
2 Knoblauchzehen
1 TL Zucker
½ TL Zimt
½ TL Baharat (arabische Gewürzmischung)
Salz, Pfeffer

50 g frisch geriebener Parmesan

Für die Knödel das Knödelbrot in eine große Schüssel geben und mit der Milch begießen und ziehen lassen. Die Schalotte fein hacken und in der Butter glasig dünsten. Zusammen mit den Wildkräutern und Eier dazugeben und mit den Händen vermischen.
Mit feuchten Händen tischtennisballgroße Knödel formen.

Einen großen Topf mit Salzwasser zum Sieden bringen und die Knödel darin etwa 12 Minuten sieden lassen, bis sie an die Oberfläche aufsteigen.

Für die Sauce die Kirschtomaten halbieren. In einem breiten Topf das Öl erhitzen und die gehackten Schalotten darin andünsten. Die Tomaten dazugeben und bei mittlerer Hitze schmelzen lassen. Zucker dazugeben. Sobald die Tomaten geschmolzen sind, die Gewürze dazu geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Knödel mit der Sauce servieren und Parmesankäse drüberstreuen.

Hinweis: Agenturen für freiwilliges Engagement wie Tatendrang gibt es in jeder größeren Stadt. Einfach mal nachfragen!

Fotocredits: alle Fotos (c) Magdalena Jooß

Danke liebe Magdalena für die wunderbaren Fotos!

, , , , ,

2 Responses to Social cooking – Essen ist das stärkste soziale Medium
Fünf Nationen an einem Tisch und Wildkräuterknödel mit Tomaten-Zimt Sauce

  1. Monika Leeb 21. August, 2017 at 9:36 #

    Liebe Claudia,

    herzlichen Dank für Ihr großartiges Engagement für unsere Einrichtung! Ihr Blog illustriert in eindrücklicher Weise, dass die Arbeit mit geflüchteten Mädchen und jungen Frauen eben nicht nur anstrengend, sondern auch überaus bereichernd sein kann. Wir von IB Jugendhilfe & Migration brennen dafür und freuen uns auf weitere genussreiche und kreative Unterstützung!

    • Dinner um Acht 21. August, 2017 at 10:13 #

      Liebe Monika,
      vielen Dank für die herzlichen Worte.
      Ich freue mich, wenn ich meine Begeisterung für das Kochen teilen kann.
      Und das ganz sicher so nicht zum letzten Mal.
      Herzlichst,
      Claudia

Schreibe einen Kommentar