[Seoul] – eintauchen in Kimchi, Hotpots und Bibimbap auf den besten Foodmärkten der Stadt

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Meine Aussicht in Seoul ist fantastisch. Ich sehe das WM Stadion. Direkt vor meinem Fenster und wer sich so ein bisschen mit Großstädten auskennt ahnt, dass die meist nicht direkt im Zentrum liegen. Aber das Apartment ist schick, es liegt direkt an der U-Bahn und hat vor dem Haus mehrere Bushaltestellen. Nicht dass ich mich sofort getraut hätte, in einem Bus zu steigen, meist überfordern mich Buspläne. Es wird zwei Tage dauern, dann habe ich auch sie, dank einer praktischen App, verstanden.
Es ist bereits Nacht, als mich die Airport Linie hier ausspuckt und ich bin dankbar, dass ich mein Gepäck, das mittlerweile kräftig zugelegt hat, nur wenige hundert Meter ziehen muss, ich kaufe mir ein Bier und starre erstmal auf die vielen Lichter um mich herum. Seoul. Da bin ich nun also. Dass man hier nicht so zurückhaltend ist wie in Japan habe ich schon bemerkt, als ich in die Airport Line eingestiegen bin. Rempeln ist hier an der Tagesordnung. Mit zwei Koffern fällt mir das gerade auch leicht. Ich passe mich schnell an.
Ich mag zwar hier in der Digital Media City ein wenig ab vom Schuss sein, aber dafür perfekt an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden und so führt mich auch gleich mein erster Weg am nächsten Morgen auf den Gwangjang Market, schließlich hatte mir meine koreanische Foodbloggerkollegin Missboulette so viele Tipps gegeben, was ich alles probieren musste. Frische Mungbohnenpancakes, verschiedene Kimchisorten, Tofueintopf, Hotpot.. die Liste ist lang und mein Magen sehnt sich nach etwas Essbarem, als ich den Markt betrete. Es ist kurz vor der Mittagszeit, die vielen Garküchen füllen sich. Frische Tintenfische schwimmen in kleinen Becken, es gibt alle Arten von Krabben, Gim Bap, die koreanische Variante von Sushirollen (die allerdings ohne Sojasauce und Wasabi serviert werden, dafür in ihrer Füllung durchaus als abenteuerlich zu bezeichnen sind), besagte Pfannkuchen und Teigtäschchen. War mir bisher nicht bewusst, dass Seoul das Paradies für Teigtäschchen ist, so wird mir das spätestens jetzt klar. Mit Gemüsefüllung, mit Kimchifüllung, Kräutern, Fleisch, in allen Formen. Ich werde sehr lange warten müssen, wieder so gute Teigtaschen zu bekommen. Das weiß ich jetzt, wo ich diesen Bericht hier schreibe, wo all die kunstvollen, glücklichmachenden Teigtaschen so weit sind. Und keiner mir auch nur ein halbwegs anständiges Dim Sum serviert.
Hier auf dem Gwangjang Market bin ich im gelobten Land der Teigtaschen. Sie sind auch das erste, was ich hier probiere. Gebratene. Göttlich gefüllt mit einer würzigen Paste aus Fleisch und Kräutern Und ich esse eine dampfende Suppe mit Teigtaschen, gefolgt von einem luftigen Pancake aus Mungbohnen. Es gibt einfach alles hier, nur den Schnaps, den ich danach zur Verdauung brauchen könnte, den finde ich nicht.

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Das Glück von Quitten Tee (Mogwa Cha)

Statt einem Schnaps zu trinken laufe ich weiter durch die Straßen, durch den Park, vorbei an den alten Männer, die in ihre Brettspiele versunken sind, vorbei an einem Tempel, dorthin, wo die Häuser klein und alt sind. Dort finde ich ein Teehaus. Nachmittags einen Tee zu trinken ist eine vorzügliche Wahl. Ich möchte einen Quittentee probieren, Mogwa Cha heißt er hier. Ich sitze am Fenster und beobachte das Leben auf der Straße, neben mir sind zwei buddhistische Nonnen ins Gespräch vertieft. Vor mir steht eine dampfende Schale, der Duft allein ist überwältigend und erst der Geschmack – jeder Tropfen dieses Tees ist ein Gedicht. Ich will ihn selbst machen, wenn ich wieder zuhause (hier gibt die Anleitung dazu). Und ja, ich will Zeit. In Seoul habe ich diese Zeit. Zeit, einfach Tee zu trinken und Menschen anzuschauen.

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Chilipulver und Gewürze

Am nächsten Tag zieht es mich auf den Spice Market, zu den vielen Wurzeln, den getrockneten Jujube Früchten und vor allem den Chilitöpfen. Kimchi wird mit Gochugaru gemacht, ein besonders fruchtiges Chilipulver, das schlichtweg unabdingbar ist bei der häuslichen Kimchiproduktion. Zuhause in Deutschland habe ich es mir im Internet bestellt, nachdem mir ausdrücklich davon abgeraten wurde auch nur einen Gedanken an mögliche Chili Alternativen zu verschwenden. Hier auf dem Markt gibt es nicht nur ein Gochugaru, es gibt viele. Am liebsten möchte ich alle mitnehmen. Keinerlei Zurückhaltung gibt es im Foodmarket im noblen Viertel Gangnam. Das ist so ein bisschen wie die Feinkostabteilung im KaDeWe, nur das Beste und Edleste aus dem ganzen Land. Hier kaufe ich Bohnenpaste, Pulver aus getrockneten Anchovis und Shiitakepilzen und koreanisches Miso.

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Fischmarkt für Hartgesottene

Wer einmal auf dem Fischmarkt in Okinawa war, wird vermutlich für immer davon geprägt sein, so schön, bunt und anmutig ist er. Doch das hier ist nicht Japan und anmutig ist diese zugige Halle zu dieser Jahreszeit auch nicht. Die Dimension ist ebenfalls nicht zu vergleichen. Der Noryangjin Fischmarkt ist riesig. Das Besondere ist, dass man sich hier frischen Fisch kaufen kann und in einem der kleinen Restaurants daneben gegen eine geringe Gebühr grillen lassen kann. Mich erschlägt die Menge an Fisch. Ich stehe vor den Fangarmen eines riesigen Kraken und bin einerseits hingerissen und ertappe mich auch bei dem Gedanken, dass all diese wunderbaren Kreaturen hoffentlich in einem guten Topf landen. Bei so manchem denke ich mir, schade, dass sie dich erwischt haben (dem Kraken zum Beispiel). Es mag an den traurigen Hallen liegen, aber diesem Markt fehlt es entschieden an Charme. Ich will lieber Wurzeln kaufen. Auch wenn ich noch nicht weiß, was ich damit machen soll.

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Ich bin so Gangnam Style….

Ich habe „meinen“ Park gefunden. Im noblen Gangnam habe ich die Farben des Herbstes gesehen, hier war die Luft irgendwie frischer. Auch wenn mindestens soviele BMW, Porsche und Audis rumfahren wie hier in München. Und hier habe ich auch einen kleinen Tempel entdeckt. Nach vier Wochen in Asien, habe ich das Ruhige hier gebraucht. Und hier habe ich auch noch einen famosen Hotpot gegessen, während die ersten Berichte über die Wahl in Amerika im Fernsehen kamen, die von allen anwesenden Einheimischen alles andere als goutiert wurden. Und für dieses Temperament schätze ich sie. Es ist ehrlich und leidenschaftlich. Ganz nach meinem Geschmack eben.

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… und der kleinste Gitarrenladen Seouls

der ist unter einer Brücke. Kaum, dass man sich darum umdrehen kann. Hier repariert ein alter Mann Gitarren.

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Adressen:
Gwangjang Market
88 Changgyeonggung-ro, Jongno 1(il).2(i).3(sam).4(sa), Jongno-gu, Seoul

SSG 푸드마켓 청담점 Shinsaegae Food Market Cheongdam (Foodmarket deluxe)
442 Dosan-daero, Cheongdam-dong, Gangnam-gu

Gyeongdong Market (Gewürz Markt)
1036 Jegi-dong, Dongdaemun-gu, Seoul

Noryangjin Fish Market
674 Nodeul-ro, Noryangjin 1(il)-dong, Dongjak-gu

Dongdaemun Market
Euljiro 6(yuk)-ga, Jung-gu, Seoul

Majang Meat Market (hier gibt das berühmte Hanwoo und bestes Rindfleisch)
Majang-dong, Seoul

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  1. Schmausepost vom 9. Dezember | Schmausepost - 9. Dezember, 2016

    […] Geschmacks­reise, die Erste: Einen kuli­na­ri­schen Rei­se­be­richt der Extra­klasse lie­fert Clau­dia bei „Din­ner um Acht“ ab. Sie berich­tet aus der süd­ko­rea­ni­schen Haupt­stadt Seoul, wo sie ein­ge­taucht ist in Kim­chi, Hot­pots, Bibim­bap und die bes­ten Food­märkte der Stadt. Din­ner um Acht […]

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