Braucht die Welt Wasabi-Käse?

Neulich musste ich mal wieder etwas ganz Spezielles kaufen, was ich nur auf dem Viktualienmarkt bekommen konnte (das zumindest redete ich mir ein, denn es verschaffte mir einen Grund dorthin zu fahren). Ich liebe die Käsestände dort und könnte mich durch all die kleinen schrumpeligen Ziegenkäse probieren, wäre da nicht dieser spaßbremsende Fettgehalt.

Wie ich so an den Ständen vorbei flaniere, sticht mir ein neuer Käse ins Auge. Wasabi-Käse. Und gleich am nächsten Stand wieder. An allen Käsetheken lenkt er unweigerlich meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich darf ihn probieren. Den Geschmack könnte man als eine Kombination von jungem Gouda bezeichnen – der ohnehin durch seine belanglose Undefiniertheit besticht – mit einem Hauch von Wasabi. Meine Geschmacksnerven sind enttäuscht. Mir fällt nichts ein, wozu man das verwenden könnte. Anstatt „Toast Hawai“ eben „Toast Tokyo“?

Der Gedanke daran, lässt mich den ganzen Tag nicht los. Es ärgert mich, dass die einst so individuellen Käsestände sich wohl dem contemporären Mainstream geöffnet haben. Als ob noch keiner zuvor die Idee hatte, Käse mit Wasabi zu essen, was meiner Meinung nach eh nicht passt.

Feigensenf ja, Marmelade wem’s gefällt, Tomatenchutney, Honig…. alles, aber bitte keinen Wasabi.

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Tempeh mit einer Glasur aus Orangen, Ingwer und Ahornsirup

gebratener Tempeh mit einer Glasur aus Orangen, Ingwer und Ahornsirup
Unzählige Male bin ich im Bioladen um ihn herumgeschlichen, habe ihn von allen Seiten beschaut und zurückgelegt, weil mir kein wirklich umwerfendes Rezept dazu einfallen wollte. Tempeh!

Bis ich auf folgendes Rezept gestoßen bin, das den „Sojakuchen“ so überwältigend schmecken lässt, dass ich fast traurig war nur, ein Paket gekauft zu haben.

Tempeh ist unglaublich nahrhaft und bietet ein fast „fleischiges“ Kauerlebnis.100 g davon enthalten Vit. B12 3,9 mcg, was den Tagesbedarf an diesem Vitamin zu 130% deckt – für Vegetarier und Veganer ein echtes Muss.

Zutaten (für 2 Personen):

200 g Tempeh

ein walnußgroßes Stück frischer Ingwer

1,5 EL Mirin (oder Reiswein)

2 EL Tamari (oder Sojasauce)

Saft von 2 Orangen

etwas abgeriebene Orangenschale (deshalb nur BIO)

2 EL Ahornsirup

2 EL Olivenöl

etwas Saft von einer Limone und frischen Koriander

Den Orangensaft mit dem Mirin, Tamari, dem geriebenen Ingwer, der Orangenschale und dem Ahornsirup mischen. Die Tempehrolle in Scheiben schneiden und mundgerecht vierteln.

Das Olivenöl in der Pfanne sehr heiß werden lassen (es sollte nicht rauchen) und die Tempehstücke darin anbraten. Sie sollen eine schöne goldbraune Färbung bekommen.

Dann die Sauce hinzufügen und etwas einkochen lassen. Die Tempehstücke sollten schön glasig werden.

Dazu schmecken Zuckerschoten.

Guten Appetit!

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Wie alles anfing und warum das mit dem Wein beim Kochen so wichtig ist

Alles begann 1984 während meiner Zeit als Au-pair-Mädchen in New York…

Ich arbeitete für eine wohlhabende Architektenfamilie am Beekman Place und meine Aufgaben bestanden darin, mit der 13 jährigen Tochter deutsch zu sprechen und mich um das Dinner zu kümmern. Gekocht habe zuvor nur für meine Familie. Ich wurde ein begeisterter Anhänger des „60 Minute Gourmets“ der New York Times. Probierte alles aus, wagte mich weiter und weiter in kulinarische Gefilde vor –  bis zu jenem denkwürdigen Abend.

Man muss leider sagen, dass es um die Ehe meiner Au-Pair Familie nicht wirklich gut bestellt war. Sie trennten alles und sogar die Weinflaschen, die sie kauften oder geschenkt bekamen, wurden mit einem Kürzel versehen. „S“ für Sylvia und „C“ für Christopher. Ich wollte ein neues Rezept für gefüllte Cannelloni ausprobieren und brauchte dafür einen kräftigen Rotwein und so bat ich Christopher mir einen zu geben. Ich hatte zu dieser Zeit, ich war achtzehn, nicht wirklich eine Ahnung von Wein, trotz dass ich in einer Weingegend aufgewachsen bin, doch zu dieser Zeit hatte sich Deutschland, wenn es um Wein ging, einen Ruf erworben, von dem es sich später nur schwer wieder erholte.

Beherzt schüttete ich also den Wein den Christopher mir gegeben hatte in die Sauce. Und sie wurde wunderbar!

Alle waren voll des Lobes, es schmeckte ausgezeichnet.

Mitten im Essen hielt Sylvia plötzlich inne und starrte auf die halbleere Flasche, die ich auf den Tisch gestellt hatte.

„Wo ist der Rest von dem Wein?“, wollte sie wissen.

„In der Sauce“, antworte ich nichtsahnend der Tatsache, dass sich neben mir ein Orkan aufbaute. Sylvias Gesichtszüge wechselten von ungläubiger Verwunderung zu einer Grimasse der Wut.

Wie verrückt ich denn sein müsse, einen, an den Jahrgang erinnere mich leider nicht mehr, es muss aber ein guter gewesen sein, Pomerol in die Sauce zu kippen!  Alles in mir zuckte zusammen und ich begriff gar nichts mehr.

Doch plötzlich erhob der sonst so schweigsame Christopher seine Stimme.

„Sei still und schau auf die Flasche!“ herrschte er sie an.

Die Flasche war mit einem kleinen „C“ markiert und er machte er ihr unmissverständlich klar, dass es allein seine Entscheidung sei, was er mit seinen Flaschen zu tun gedenke.

Es war absurd.

Auch heute würde ich einen teuren Wein ohne Bedenken in die Sauce schütten, denn warum sollte diese etwas weniger Edles bekommen als den Wein, der ohnehin das Essen begleiten soll.

Diesem Thema widmete der gute Siebeck viele Jahre später eine Kolumne und ich konnte ihm nur beherzt beipflichten.

Seit diesem Abend habe ich sicherlich viele kostbare Tropfen verkocht (man denke nur allein an die vielen Brasato all Barolo, für die ich natürlich einen richtig guten Barolo genommen habe) und meine Freunde und ich haben es genossen!

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