Ist Stierschinken so ein „Gender-Ding“?

Ich brauche Serrano Schinken. Den gibt es zwar auch so ziemlich in jedem Supermarkt, aber wenn ich die mittlerweile super süßen, deutschen Erdbeeren in ein adäquates Gewand hüllen will, dann ist das ein willkommener Grund auf den Viktualienmarkt zu fahren, wo es diesen herrlichen spanischen Stand gibt. Spanische Wurst und Schinken in allen Variationen!

Offensichtlich geht man hier jedoch davon aus, dass die Münchner nicht ganz so versessen auf Schinken sind wie die Spanier, die auch mal für 100 gr Iberico de Bellota* gut und gerne über zwanzig Euro hinlegen. Aber auch die Preise hier sind nichts für Zimperliche – wir befinden uns ja schließlich mitten in München.

 Der Stand misst nur ein paar Quadratmeter, die Schinken hängen von der Decke, stapeln sich an den Seiten und die Theke ist voll. Es fällt mir also nicht gerade leicht, mich sofort zu entscheiden, was aber nicht schlimm ist, da ohnehin ein Kunde vor mir ist. Ich hätte noch eine Weile länger über die verschiedenen Marmorierungen meditieren können, als plötzlich eine weitere Verkäuferin vor mir auftaucht. Ich bestelle wie geplant meinen Serrano, doch es dauert noch, bis sie mir diesen in hauchdünne Scheiben schneiden kann, denn die einzige Schneidmaschine ist belegt. Mit einem riesigen fast schwarzen Schinken. Einen so dunklen Schinken habe ich selten zuvor gesehen. Interessiert frage ich nach, worum sich dabei handelt, überlege bereits, ob nicht vielleicht das der ideale Begleiter meiner zuckrigen Erdbeeren sein könnte.

„Das ist luftgetrockneter Schinken vom Stier“ sagt der Verkäufer an der Schneidmaschine und wie auf Kommando dreht der Kunde neben mir sich zu mir um.

„Einfach großartig  – das Beste, was man sich vorstellen kann“ flüstert er verschwörerisch und wäre er nicht etwa einen Kopf kleiner als ich, wäre das mit dem versinkenden Blick bestimmt noch besser angekommen. Sein schütteres graues Haar hat er zu einem kleinen Zöpfchen zusammengebunden, ganz in der verzweifelten Manier seinem ansonsten durch und durch grauen Äußeren einen künstlerischen Touch zu verleihen.

Ich zögere. Aber dann denke ich mir, was kann man bei Schinken schon falsch machen und bestelle mir 50 gr davon zum probieren

„Sie werden es nicht bereuen..“ meint er mit einem Lächeln, das fast schon anrüchig wirkt und zwinkert mir zu, als hätte er mir gerade ein Geheimnis verraten, wie man mehr Schwung in sein Leben bringen kann. Immerhin geht es hier nur um Schinken und nicht um ein Aphrodisiakum, welches heimlich unter dem Ladentisch gehandelt wird.

Bei der Verkäuferin ist allerdings nur der letzte Teil meiner Bestellung angekommen, ich vermute mal „probieren“, denn plötzlich stellt sie ein Schälchen vor mir auf den Tresen mit einer Scheibe des besagten Schinkens. Während ich mit Neugier und einer gewissen Andacht auf der Scheibe herumkaue, widmet sie sich meinem Serrano Schinken.

Im ersten Moment ist es ein wenig wie Bündner Fleisch. Trocken und mit einem kräftig würzigen Aroma. Doch dann schleicht sich plötzlich noch was anderes in diesem Geschmack. Etwas Brüllendes, eindeutig Testosteroniges… Ich schmecke den Stier in seiner ganzen Männlichkeit! Und ganz ehrlich –  es schmeckt nicht gut. Eindeutig muffig im Abgang.

Mittlerweile stehe ich allein an der Theke, kaue immer noch auf dem leicht zähen Stück rum und als mich plötzlich die Frage erreicht “ darf es noch etwas sein?“, zögere ich und schüttle mit dem Kopf. Nein, noch etwas muss nicht sein.

Ich frage mich, ob es wohl Frauen gibt, die beim Geschmack dieses Stierschinkens in Verzückung geraten. Offensichtlich hat er ja seine Anhänger. Vielleicht fällt Männer diese kernige Note ja nicht auf, oder sie finden sie sogar ansprechend? Wer weiß.

Ich jedenfalls werde bestimmt kein begeisterter Anhänger dieser Delikatesse.

  *Jamón Ibérico de Bellota: Schinken von Schweinen, die mindestens 75 % der Iberico-Rasse entstammen und mindestens 40 % ihres Lebendgewichts freilaufend und nur durch Früchte der Steineiche (bellota heißt „Eichel“) und Kräuter zugelegt haben.

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Kürbiskern-Koriander Pesto

Wir haben einen unglaublichen Mai – es ist heiß! So heiß, dass man es heute in der prallen Sonne kaum aushält. Ein wenig, als ob der Frühling dieses Jahr zu kurz gekommen ist, und gleich dem Sommer Platz machen musste. Zugegeben, die Nächte sind zwar noch etwas kühl, aber das entspannte Sommer-Feeling beginnt sich breit zu machen. Südliche Aromen, die Sehnsucht nach dem Meer, Lust auf leichte, spritzige Sommerweine.

Genau solche Weine habe ich vorgestern probiert. Weinproben sind verführerisch, sovieles was lecker ist und ehe man es sich versieht hat man ein kleines Vermögen auf seiner Bestell-Liste angekreuzt. Andererseits ist es auch immer wieder schön, wenn der Weinkeller wieder aufgefüllt ist.

Doch zurück zu den mediterranen Aromen. Mir fällt da auch immer gleich Pasta ein, entweder mit einem kräftigen Sugo oder einem würzigen Pesto. Ich hatte ja schon über diesen wunderbaren Pesto-Laden in Berlin geschrieben und überlegte also mein eigenes Pesto zu kreieren. Was Pesto angeht, so sind der Kreativität so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Ich entschied mich für Kürbiskerne und Koriander. Dem durchaus dominanten Geschmack des Korianders setzte ich zu den Kernen auch Kürbiskernöl entgegen. Das Ergebnis war großartig. Zusammen mit Spaghettinis und gegrillten Jacobsmuscheln – und natürlich dem Sommerwein.

für 6 Personen:

4 Knoblauchzehen

100 g Kürbiskerne

2 Bund Koriander

200 ml Hühnerbrühe

100 g frisch geriebener Pecorino

3 EL Olivenöl

1 EL Kürbiskernöl

Knoblauchzehen schälen und zusammen mit den Kürbiskernen, den von den Stängeln gezupften Korianderblättern (wer es kräftiger mag, der lässt die Stengel dran) und der Brühe im Mixer pürieren. Pecorino unterrühren die Öle zufügen. Basta!

 

 

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Spargel mit Orangen-Chillie-Butter, Ziegenkäse und Basilikum

Alle Jahre wieder kann ich es kaum erwarten, dass der erste Spargel aus heimischen Gefilden auf dem Markt landet. Auch wenn der bayerische Spargel wirklich gut ist, werde ich mein Leben lang dem Badischen treu bleiben weil er für mich der Beste der Welt ist. (Liebe Schrobenhausener, bitte nicht böse sein).

In meinem winzigen inneren Hausaltar steht also auch eine Spargelstange und um dieser zu huldigen, habe ich etwas ganz neues ausprobiert, denn ich gebe gerne zu, dass ich ein wenig konservativ bin, wenn es um den Spargel geht. Es muss jetzt nicht gerade die mächtige Hollandaise sein – obwohl es da ein Rezept gibt, das wirklich immer gelingt – mit Schinken und Kartoffeln, aber ich war enttäuscht von einem Spargelcurry, das außer nach Kokos und Curry nicht wirklich nach Spargel schmeckte. Spargel darf also nichts neben sich haben, was so dominant ist, dass er darunter verschwindet.  Aber so einen Hauch von Chillie verträgt er durchaus.

Es ist ein wenig wie bei der Erdbeere. Erst wenn frisch gemahlener Pfeffer drüber kommt, wird ihr Geschmack intensiv und süss.

  

1 kg Spargel (weiß oder violett)

1 Bio Orange

1 rote Chillie

2 Knoblauchzehen

100 gr junger Ziegenkäse

50 gr Pinienkerne

1/2 Bund Baslilikum

4 ELOrangenblütenhonig

100 gr Butter

ca. 50 Parmesan, frisch gerieben

Den Spargel schälen. Mit einem Zestenreißer die Schale der Orange abziehen. Den Saft auspressen.

Die Pinienkerne zuerst ohne Fett in Pfanne rösten, dann die Butter und die Chillieschote zugeben. Den Honig, den Saft und den fein gewürfelten Knoblauch einrühren und vom Herd nehmen. Basilikum hacken und den Ziegenkäse zerkrümeln.

Den Spargel bissfest kochen, mit der Pinienbutter übergießen und den Basilikum und den Ziegenkäse drüberstreuen.

Mit einem kräftigen Weißwein und Flûte (ich liebe diese dünnen Baguettes, die man natürlich bedenkenlos durch ein solches oder ein Ciabatta ersetzen kann, aber Flûte sind einfach unschlagbar elegant) servieren.

 

 
 
 

 

 

 

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Frühlingserwachen mit Rhabarber-Ingwer Chutney

Vergessen sind sie, die dunklen langen Wintermonate, wo wenig das Auge erfreute, wenn man auf den Markt ging. Doch nun ist er endgültig da –  der Frühling. Und wohin treibt es eine passionierte Köchin aus München? Richtig –  auf den Viktualienmarkt. Da lacht er mich an, der frische Spargel aus heimischen Gefilden, und auch der erste Rharbarer ist schon da. Ich gebe gerne zu, dass ich bis heute kein Rezept gefunden habe, das Letzteren auf rohe Weise zubereiten lässt, doch gekocht ist Rhabarber einfach großartig. Alles zieht sich im Mund zusammen, verwendet man zuwenig Zucker. Jahrelang habe ich ihn einfach ignoriert. Ich mag keine Marmelade, kein Mus, daher schlug der Scanner niemals an, wenn Rhabarber in meinem Blickfeld auftauchte.

Bis eine liebe Freundin ein Geschenk für ihre Mutter brauchte, und da Mütter in der Regel alles haben, aber die Vorstellung lieben, dass ihr Kind sich hingebungsvoll dem Basteln oder Zubereiten von etwas Besonderem gewidmet hat, schlug ich vor, doch ein Chutney zu kochen. Kaufte hübsche Einweckgläschen, besorgte die Zutaten und schon ging es los. So ein Chutney ist wirklich in Null komma nichts gekocht und macht enorm was her. Das Beste daran ist –  der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Warum nicht mal ein kühnes Apfel-Chutney mit Rosen und Chilli? Oder Himbeeren mit Hickory Salz?

Wir haben uns letzendlich für folgendes entschieden:

500 Gramm Rhabarber

1 Ingwerwurzel frisch

200 Gramm Zwiebel gewürfelt

150 Gramm Gelierzucker

0,1 Liter Apfelessig

0,1 Liter weißer Balsamico

1 cm Chillischote

0,5 TL Senfpulver

Salz

Pfefferminzblätter, frisch gehackt

Rhabarber würfeln, den Ingwer fein hacken und mit den übrigen Zutaten außer den Minzblättern zum Kochen bringen, bis der Rhabarber weich ist. Minze unterheben und in ausgekochte Einweckgläser füllen, die sofort danach auf den Kopf gestellt werden.

Schmeckt großartig zu gegrilltem Fleisch!

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Dealen? mit Pesto unbedingt!

Dass Shoppen anstrengend ist, weiß jede Frau. Irgendwann schmerzen die Füße, der Rücken tut weh und selbst rote Preise lassen ab einem gewissen Punkt der Erschöpfung den Puls nicht mehr höher schlagen. Das Sofa, die eigenen vier Wände rufen so laut, dass es nicht mehr zu ignorieren ist. In ungefähr diesem Zustand, ich freute mich schon auf das Auto, das nicht weit weg geparkt war, schleppte mich eine Freundin in einen kleinen Laden abseits der belebten Wilmersdorfer Straße in Berlin. Meine Begeisterung war verhalten, mein schöner Plan, in den nächsten zehn Minuten die Couch zu erreichen und die Füße hoch zu legen, verschob sich. Mit Begeisterung erzählte sie mir von ihrem „Pesto Dealer“. Ich hielt den Namen für eine Eigenerfindung, bis ich das kleine Schild über der Tür las. Tatsächlich –  da stand es!

Ein Tisch, ein Regal mit einigen Weinen und eine Theke mit verschiedenen Gläschen nahmen den Raum ein. Die Dame des Hauses war soeben dabei, eine Ladung Salbei-Nuss Pesto, ganz frisch hergestellt, in Gläser zu füllen. Wir mussten natürlich sofort probieren. Lecker! Doch meine Favoriten waren nach weiterem Probieren schnell klar. „Thai-Koriander Pesto“ und „Dubai Prezzemolo“ – beide ungewöhnlich und ausgewogen in ihren Aromen, so dass mein innerer Koch sofort mit dem Komponieren der diversen Gerichte begann. Vorbei war die Erschöpfung. Allein die Tatsache, dass ich nur mit Handgepäck zurück nach München reisen musste und ich die Gefahr sah, dass der Sicherheitsdienst beim CheckIn die Gläschen womöglich wegen Flüssigkeit einbehalten könnte, ließ mich nicht die gesamte Palette kaufen.

Liebevoll verpackt und mit dem Hinweis, dass sich auf der Homepage ganz viele Rezepte finden lassen, verließen mehrere der  Gläschen den Laden.

Und heute habe ich dann auch gleich das „Dubai Prezzemolo“ ausprobiert – mit kleinen Spinat-Penne und zerbröseltem Feta Käse. Wunderbar – und noch besser, dass mein neuer Dealer auch nach München schickt.

http://www.pestodealerberlin.de

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Köfte aus roten Linsen mit Granatapfel-Koriander-Salat

Ich war so tapfer. Über gefühlte zehn Wochen (in Wirklichkeit waren es nur zwei) hatte ich nicht einmal im Netz nach neuen Kochbüchern Ausschau gehalten. Ich fühlte mich gefestigt und zufrieden – konnte ich mich doch ganz den unerschöpflichen Beständen widmen- als etwas im Vorbeigehenan einer Buchhandlung in meinem Augenwinkel aufblitzte und unweigerlich meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Da lag es selbstbewußt und druckfrisch zwischen all der hochkarätigen Belletristik und lockte mit dem verheißungsvollen Titel „Granatapfel, Sumach & Zitrusduft“.Der Orient und seine Küche übten schon immer eine starke Wirkung auf mich aus. Die Komposition der Aromen empfinde ich als wohltuend für die Seele – als streckte sich der Gaumen der warmen Sonne entgegen. Und natürlich ist sie nicht so leicht durchschauen diese Küche. Zumindest tut sich meine Zunge bei italienischen Gerichten immer viel leichter, wenn es darum geht, die Ingredenzien zu bestimmen.Ich konnte nicht widerstehen, kaufte es (mein armes Küchenregal) und plante gleich am Abend daraus das nächste Essen für zwei Freunde. Vier Bällchen blieben nur übrig, die auch noch am nächsten Tag hervorragend schmeckten.

(etwa 20 Stück – für 4 – 5 Personen)

2 EL Olivenöl

1 große rote Zwiebel, fein gehackt

1 EL gemahlener Kreuzkümmel

1 TL Paprikapulver

1,5 EL Zatar, verwandt mit dem Thymian und wird in orientalischen Läden als Gewürzmischung mit Sesam, Salz und Sumach angeboten

100 g rote Linsen

2 EL Granatapfelmelasse

300 ml Wasser

100 g feinkörniger Bulgur

frischer Koriander

Paprikapaste

Salz, Pfeffer

Die Zwiebelwürfel in einer Pfanne in dem Olivenöl weichdünsten, Kreuzkümmel, Paprikapulver und Zatar dazugeben. Die Linsen, die Granatapfelmelasse und das Wasser hinzufügen.8 – 10 min köcheln lassen, bis die Linsen fast gar sind. Den Bulgur hinzufügen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und erkalten lassen. Unter die erkaltete Masse die Paprikamasse und den frischen Koriander (fein gehackt) mischen.

Salat:

Kerne eines Granatapfels

Saft und Schale einer Bio Zitrone

3 -4 EL Olivenöl

1 Bund frischer Koriander

sämtliche Zutaten dafür mischen.

Aus der Bulgur-Linsenmasse kleine Bällchen formen und mit dem Salat garnieren.

( aus „Granatapfel, Sumach & Zitrusduft“von Silvena Rowe, erschienen 2011 im AT Verlag)

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