[Ontario im Spätsommer #4]
über Maple Sirup, Eiswein und einen Flug über die Niagara Fälle

headerEin bisschen noch kann ich sie sehen, die Skyline von Toronto. Zwischen mir und der Stadt liegt der Ontario Lake, 65 km ist er an dieser Stelle breit. Meine Reise führt mich weiter nach Niagara on the Lake, einem pittoresken kleinen Ort am Ufer des Lake Ontario und wie der Name schon vermuten lässt, nicht weit von den berühmten Wasserfällen entfernt. Die Häuser hier sind hübsch, Touristen flanieren über die Hauptstraße, alles ist sehr sauber. Am Ufer des Sees treffe ich eine indische Familie. Der Sohn übt eine Yoga Pose im Sonnenuntergang. Ich habe wirklich schon viel Yoga in allen Teilen der Welt gemacht, aber ich habe bestimmt am wenigsten Inder gesehen, die Yoga praktizieren. Wie sich herausstellt, studiert der Sohn in New York. Das erklärt die Sache vielleicht. Die Familie ist jedenfalls zauberhaft, bestens über die Lage in Deutschland informiert und denkt gerne an den Besuch der Zugspitze zurück. Ich mag solche spontanen Unterhaltungen, die sich irgendwo auf der Welt ergeben. Das ist es, was Reisen für mich so spannend macht.

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Die Farben von Maple

Der Ahornsirup in Deutschland kommt in zwei Varianten. Dunkelbraun als biologisch gekennzeichnet und dunkelbraun ohne Kennzeichnung. Maple Sirup war von vornherein eines der Themen, auf die ich mich ganz besonders gefreut habe, denn so viel ist sicher – zwischen golden und fast schwarz gibt es unendlich viele Varianten. Auf der White Meadow Farm wird von Februar bis April der Saft der Ahornbäume geerntet, je später, desto dunkler wird der Sirup. Zum Ende der Saison sei er allerdings kaum noch genießbar. Der Saft wird eingekocht und manchmal dann noch in Fässern gelagert. Am beliebtesten ist die mittlere Farbe Amber, hier werden bereits die nussigen Aromen sehr deutlich. Unterschieden wird auch, wofür man den Ahornsirup verwenden möchte (an dieser Stelle würde die Dame, die uns dies erklärt sicher in Tränen ausbrechen, angesichts der nicht vorhandenen Vielfalt in Deutschland), der helle Sirup wird meist für Pfannkuchen verwendet, wohingegen die dunkleren Farben meist zum Kochen oder für Salatsaucen genutzt werden. Ich kaufe verschiedene Varianten und – darauf bin ich besonders gespannt – den rohen Saft. Der schlummert zusammen mit ein paar bilderbuchschönen Auberginen im Koffer.

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Einmal über die Wasserfälle fliegen

Den Niagara Fällen kann man sich auf verschiedene Arten nähern, mit einem Boot ganz dicht ranfahren (im Regenmantel also), über einen Weg, der hinter die Wasserfälle führt (dröhnend und ebenfalls nass) oder aus der Luft. Mit dem Helikopter über die Wasserfälle zu fliegen ist ein wirklich einmaliges Erlebnis auch wenn das Vergnügen nur etwa zehn Minuten dauert. Das Einzige, woran ich in diesem Moment denken kann ist meine Kamera. Ich will das festhalten. In allen Varianten. Die großen Fälle auf der kanadischen Seite und die Kleinen auf der amerikanischen Seite. Es ist gewaltig, was hier für Wassermassen in die Tiefe stürzen.
Der eigens für uns gecharterte Helikopter fliegt jedoch nicht zurück zur Basis, sondern zum Weingut. Hach, das wollte ich wirklich schon immer mal machen. Mit dem Heli auf einem Weingut landen (die Diva in mir jauchzt). Besser geht es wohl nicht.

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Ice, Ice, Eiswein

Das berühmte Weingut Inniskillin und seinen Eiswein durfte ich vor zwei Jahren bereits kennenlernen. Damals habe ich zum ersten Mal in meinem Leben „Sparkling Ice Wine“ getrunken, eine Offenbarung (der Bericht dazu hier). Einer erneuten Begegnung habe ich mich leidenschaftlich entgegengesehnt. Das kann ich schon so sagen denn ich bin damals so auffällig mit stets leerem Glas um die Flaschen herum geschlichen weil ich nicht genug davon bekommen wollte. Jetzt endlich bin ich da, wo dieser grandiose Tropfen gemacht wird. Und noch viel mehr. Es gibt Eiswein aus der Vidal Traube, aus Riesling und auch in Rot aus Cabernet Franc Trauben. Die Gegend hier ist perfekt für Eiswein. Warme Sommer, eine trockene Brise vom See und garantiert eisige Winter. Die Temperatur muss mehrmals unter -10° gefallen sein, dann geht es los. Die feinen Tropfen kostet teilweise ein kleines Vermögen, was aber auch daran liegt, dass hier die 60%ige Alkoholosteuer mit voller Wucht zuschlägt. Der Chefkoch Tim MacKiddie hat für uns ein asiatisch inspiriertes Lunch zusammengestellt. Hühnchen mit einer würzigen Hoisin Sauce und verschiedene Salate, die geschmacklich sehr schön mit dem Eiswein harmonieren.
Beim nächsten Weingut, der Reif Winery, wird neben Eiswein auch Gewürztraminer gemacht, was hier in Kanada wirklich exotisch ist. Es gibt jedoch einen Grund dafür. Der Besitzer Klaus Reif ist vor über dreißig Jahren von der Pfalz in diesen Teil Kanadas ausgewandert und hat seinen geliebten Gewürztraminer einfach mitgebracht. Der Heimat noch verbunden hat er auch seinen Pfälzer Dialekt nie abgelegt. Mittlerweile betreibt er eines der größten Weingüter und ist stolz auf seinen wirklich feinen Wein.niagara-moods-7

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Klaus Reif von der Reif Winery macht tollen Gewürztraminer

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„Farm to Table“ – die köstliche Küche rund um Niagara on the Lake

Lobster mit frischen Nudeln, geschmorter Rinderbraten, knackige Gemüse, Eisweinbutter sind nur ein paar der kulinarischen Highlights, die mir hier begegnen. In dem Restaurant von Vineland Estates, wo man einen sagenhaften Blick über die Weinberge hat, serviert Chefkoch Justin Downes frische Austern mit einer Eiswein Mignonette.
Feine Fish Cakes und köstlichen Salat aus alten Tomatensorten gibt es bei Treadwells. Deren Mohntoast will ich unbedingt mal nachmachen.

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das komplette Tasting Menu im Restaurant Vineland (natürlich auf die eigenen Weine abgestimmt)

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köstliche Butter Tarte mit Eiswein bei Inniskillin

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frische Küche bei Treadwells

Impressionen vom Bauernmarkt

Ich kann es einfach nicht lassen – ich liebe Bauernmärkte. Und deshalb kann ich es mir auch nicht verkneifen, euch noch ein paar Bilder von dem schönen Markt in Welland zu zeigen. Sollte ich jemals ans Auswandern denken, dann weiß ich auch schon womit ich hier mein Geld verdienen könnte. Eingemachte Gurken. Bis zu zehn Dollar muss man hier für ein großes Glas berappen. Natürlich Bio und handgemacht. Die sind hier schwer beliebt.

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Bis zum nächsten Mal Ontario!

Adressen:

Schlafen
124 Queen Hotel and Spa
124 Queen St
Niagara-on-the-Lake, ON L0S 1J0
www.124queen.com

Essen
The Restaurant at Vineland Estates Winery (exklusiv und mit tollem Tasting Menü)
3620 Moyer Rd,
Vineland, ON L0R 2C0, Canada
www.vineland.com

Treadwell’s
114 Queen Street Restaurant
NOTL, L0S 1J0
www.treadwellcuisine.com

Weingüter
Inniskillin Winery
1499 Line 8, Niagara Parkway
Niagara-on-the-lake, ON L0S 1J0
www.inniskillin.com

13th Street Winery
1776 Fourth Ave.
St. Catharines, ON L2S 0B9
www.13thstreetwinery.com
Reif Winery
Niagara-on-lake, ON
www.reifwinery.com

Maple Sirup
White Meadow Farms
Effingham Street
St. Catherines, ON L2R 6P7
www.whitemeadowfarms.com

Hinweis: Die Reise wird unterstützt von Ontario Tourism. Vielen Dank dafür. Die Eindrücke sind meine eigenen.

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2 Responses to [Ontario im Spätsommer #4]
über Maple Sirup, Eiswein und einen Flug über die Niagara Fälle

  1. Kathi 13. September, 2016 at 17:22 #

    Die Fotos vom Heliflug sind ja der absolute Hammer!!!!! <3

    • Dinner um Acht 13. September, 2016 at 17:29 #

      Gell? Ich war ja so aufgeregt, dass ich das auch hinkriege, denn davon bekomme ich bestimmt nicht so schnell wieder eine Gelegenheit.
      Liebe Grüße
      Claudia

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