La vie en rose – rosa Sushi mit mariniertem Spargel

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Meine innere Uhr tickte noch nach mitteleuropäischer Zeit. Zwei Stunden zuvor war ich in New York gelandet und alles was ich wollte war, schnell noch gegenüber vom Hotel beim Japaner ein Häppchen zu essen und mich dann ganz dem Hoffen auf eine komatöse Nachtruhe hingeben. Das war der Plan. Ich setzte mich an einen der kleinen Tische, schielte schon ein wenig, schließlich war es für mich tief in der Nacht und bestellte eine Sushi Rolle mit Lachs.  Das Bier sollte seine Wirkung entfalten und mein Hirn war bereit für den Sleep-Modus.

Das wäre auch gut so weitergegangen, hätte der Kellner nicht plötzlich ein Kunstwerk in komplettem Rosa vor mich hingestellt. Da war kein einziges Noriblatt zu sehen, keine Gurke, keine Avocado. Stattdessen umhüllte ein rosa farbenes papierähnliches Etwas den  Lachs und Thunfisch um den Reis. Sofort war ich hellwach. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Die Hülle entpuppte sich als rosa eingefärbtes Soja Papier. Es schmeckte natürlich nach nichts, machte aber mächtig was her. Dass ich es haben musste stand sofort fest. Freundlich fragte ich den Kellner, wo ich das bekommen könnte. Er zuckte nur mit den Schultern, verzog keine Miene und meinte nur ich solle mal den asiatischen Supermärkten schauen. Dass ich dazu natürlich keine Zeit haben würde, war mir im gleichen Augenblick klar. Ich fragte ihn, ob ich ihm eine Packung abkaufen könnte. Er verzog den Mund leicht zu einem schiefen Grinsen und wehrte ab.

Zu diesem Zeitpunkt war er bestimmt der Meinung, dass er mich nie wieder sehen würde, was sich natürlich als Irrtum herausstellen sollte. So leicht gebe ich nicht auf. Zwei Abende später schraubte ich gewaltig die Verzweiflungsfalte in meiner Stirn zusammen (mit Botox wäre das nix geworden), zog die Mundwinkel ein wenig nach unten und schaute ihn an wie eine halbverhungerte Katze beim Anblick einer Schale Milch. Den Kampf konnte er nicht gewinnen. Die halbe Nacht hatte ich damit verbracht dieses rosa Soja Papier zu googeln, nur um rauszufinden, dass ich es auf gar keinen Fall in Deutschland so leicht bekommen könnte. Er feilschte mit mir und fünf Minuten später verließ ich selig sein Restaurant. In der Hand hielt ich eine Packung Soja Papier.

Und weil ich auf gar keinen Fall das Rosa mit einer grünen Avocado oder ähnlichem mischen wollte, entschied ich mich für eine vegetarische Variante mit mariniertem Spargel. Dazu eine Miso Mayonnaise (auch Soja) und ein bisschen Granatapfelblütendingens-Deko.

Da ich nur etwa einmal jedes Schaltjahr diese Rollen wickle, war ich zwar ein wenig unentspannt aber das Ergebnis war trotzdem ein Highlight. Und wer mal eben in die Staaten fliegt oder Besuch von dort erwartet (noch besser), der sollte sich dieses Soja Papier auf die Wunschliste setzen. Der Wow-Effekt ist garantiert.

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Für Vier

Reis:

300 g japanischer Rundkornreis für Sushi

650 ml Wasser

5 EL Mirin (oder Reisessig mit einem EL Zucker vermischt)

2 TL Salz

Spargel:

1 EL Zucker

Eine Prise Salz

6-8 Stangen weißer Spargel

4 EL japanische Soja Sauce (mit Dashi drin)

1 TL Ume Su (Essig von Würzpflaumen)

Etwa 7 Blätter rosa Soja Papier

Miso-Mayonnaise :

3 El helle Miso Paste

3 EL Soyannaise (vegetarische Version der Mayonnaise)

1 EL Reisessig

Den Spargel schälen und die holzigen Enden abschneiden. In eine beschichtete Pfanne den Zucker streuen und leicht karamellisieren lassen. Den Spargel zugeben, kräftig hin und her schwenken und mit der Soja Sauce und dem Ume Su ablöschen. Kurz aufkochen lassen und sofort vom Herd nehmen. Einige Stunden, am besten über Nacht abdecken und marinieren lassen.

Den Reis unter fließendem kaltem Wasser waschen bis das Wasser klar ist. In einem Sieb etwa eine Stunde abtropfen lassen. Wasser und Reis in einer Pfanne aufkochen lassen. Die Temperatur klein stellen und den Reis zugedeckt etwa 15 min köcheln lassen. Mit einem Holzlöffel einmal umrühren, wieder zudecken und vom Herd nehmen. Weitere 10 min quellen lassen. Salz und Mirin mit dem Holzlöffel untermischen und unter einem feuchten Tuch auskühlen lassen.

Ein Blatt Sojapapier auf die Bambusmatte legen, den Reis darauf legen und den Spargel in die Mitte legen. Aufrollen und mit einem scharfen Messer (am besten immer wieder vor dem schneiden befeuchten) in Scheiben schneiden.

Die Zutaten für die Miso-Mayonnaise verrühren und zu den Sushi reichen. Wer mag, darf hier gerne noch lustig in rot oder rosa dekorieren. ( Granatapfelblüten, Radieschenwürfel, etc)

 

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5 Responses to La vie en rose – rosa Sushi mit mariniertem Spargel

  1. Karina 22. Juni, 2013 at 0:24 #

    Das rosa Sushi ist eine Augenweide. Muss ich unbedingt auch ausprobieren. Anbei noch ein Fundstück aus dem Netz zu dem Thema 😉

    https://www.bosfood.de/Sojabohnen_Blaetter_Makisushiyo_Soy_rosa_18x21cm_140g_20_Blatt_9;20884,1;;20.html

    • Dinner um Acht 24. Juni, 2013 at 18:08 #

      Yeah! Man kriegt sie also auch hier. Danke für den Tipp!

  2. Martina 18. Mai, 2013 at 21:02 #

    Man kann das normale Reispapier, welches man hier im Asia-Shop bekommt, auch in warmem Wasser einweichen, das mit Rote-Bete-Saft oder Lebensmittelfarbe (sieht auch in blau oder grün schick aus) gefärbt wurde. Klappt wunderbar! 🙂

    • Dinner um Acht 19. Mai, 2013 at 11:42 #

      Großartige Idee! Man muss das Ganze nur mit Kreativität angehen und nicht aus fernen Landen bestellen… Danke für den Tipp!

  3. kaquu 17. Mai, 2013 at 19:59 #

    Das gefällt mir richtig gut!

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