Impressionen von der Biofach, die Highlights abseits der populären Pfade und die Entdeckung von Umami Salz

Ein Glas Sake geht immer. Ein zweites auch. Und weil das Rumlaufen auf so einer  riesigen Messe anstrengend ist, Füße und Rücken tun weh, darf auch der ganze besondere Sake, den der freundliche Herr mir empfiehlt, nicht verweigert werden. Wunderbaren Obstsaft gab es ja schon zur Genüge in den anderen Hallen. In den Großen, wo es aussieht wie in einem riesigen, gigantischen Bio-Supermarkt. Echt. Alles da, was einem aus den Regalen von Basic, Allnatura, Vollkorner und Konsorten aus entgegenlacht. Nur größer. Viel größer.

Ich und meine Begleitung Dorothée von Bushcooks Kitchen sind überwältigt. Und stellen uns die Frage, ob es sich wirklich gelohnt hat, an einem Samstag um sieben aufzustehen, sich mit tausend Anderen über die Autobahn nach Nürnberg zu quälen (und das, wo das Barometer heute auf 17° steigen soll), nur um auf einer fensterlosen Messe rum zulaufen. Zum Zeitpunkt, da wir noch in den ersten zwei Hallen unterwegs sind, können wir das nicht eindeutig beantworten. Zumindest war es eine gute Wahl erst am Samstag, dem letzten Messetag, hinzureisen. Eine Fachmesse hat da erfahrungsgemäß die wenigsten Besucher. Die Aussteller jedoch kämpfen erfolgreich um souveräne Freundlichkeit und so manchem ist es anzusehen, dass die Sehnsucht aufs Wochenende, zumindest dem Rest davon, übergroß wird. Sie haben mein vollstes Verständnis.

SonnentorTeam (1 von 1)

das herzliche Team von Sonnentor

Nicht viel Neues an der Biofront, denke ich. Da ein schickes Öl, da ein herrlich duftendes Räuchergewürz. Aber etwas, was wirklich kickt? Wir stärken uns mit einer makrobiotischen Misosuppe und suchen tapfer weiter. Bei Sonnentor werden wir sehr herzlich empfangen. Dürfen uns durch die neuen Gewürze testen und erfahren viel über das Unternehmen. Deren Blüten-Gewürzmischungen stehen seit langem auf meiner Favoritenliste und ich nehme sie gerne her, wenn ich abends mal schnell ein leichtes Gemüsegericht zubereiten will. Hübsche Verpackung, überzeugender Inhalt. Und die Menschen dahinter kennenlernen zu dürfen, hat die Freundschaft vertieft.

lifefood olives (1 von 1)

diese Oliven trockneten 2 Jahre am Baum.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit verrinnt und ich will unbedingt noch in die internationale Halle und ganz besonders zum japanischen Pavillon. Auf dem Weg dorthin schiebe ich mir eine Olive in den Mund. Und halte an. Das war eine ausgesprochen köstliche Olive. Sie hat einen weiten Weg hinter sich und kommt aus Peru. Was nun folgt ist eine Oliven-Offenbarung. Etwas zögerlich reicht der freundliche junge Mann am Stand von lifefood mir eine runzlige schwarze Olive. Da sei er jetzt echt gespannt. Ich koste. Vorsichtig. Ein kleiner Biss, kauen, abwarten. Es erscheinen Nuancen von schwarzen Walnüssen, tiefgründige Aromen, die subtil eine süße Olivennote durchklingen lassen. Das ist eine Wucht. Der junge Mann strahlt. Was ich soeben gegessen habe ist eine Olive, die zwei Jahre lang am Baum vor sich hin trocknete. Erst dann wurde sie verarbeitet. Ehrfürchtig kaue ich weiter auf diesem Oliven-Oldie und bin begeistert. Vor meinem inneren Auge erscheinen Bilder von Kabeljaufilet mit einer Kruste aus diesen Oliven. Wir bekommen ein Glas dieser kleinen Wunderwerke (wir haben es noch am gleichen Abend schwesterlich geteilt) und philosophieren über Rezepte, wo wir ihnen eine passende Hauptrolle verpassen. Dazu bald mehr.

Die internationale Halle 2 ist spannend und zugleich sehr entspannt. Weniger Besucher, was mich ein wenig erstaunt. Denn genau hier ist doch die Chance, etwas wirklich Ungewöhnliches zu entdecken in der Regel besonders hoch. So schlendere ich zwischen Ecuador, Mexiko und Marokko, plaudere mal hier, mal da und kaufe mir wundervolle rote Quinoa, die ich hier nur schwer bekomme. Am liebsten würde ich mir auch die schwarze einpacken, aber ich habe ja noch einen Plan.

yuzu (1 von 1)

endlich gefunden!

Und damit wären wir auch schon beim Sake. Neben besagtem, der mich rettet, entzückt und wiederbelebt, tauche ich ein in süßes Shiro-Miso, Getränken aus Grünkohl (mein Herz für Grünkohl erhöht sofort die Schlagzahl), Amazake und Yuzu. Ich entdecke Saft von der Bio-Yuzu und lasse so lange nicht locker, bis ich ein Fläschchen bekomme.
Hier, beim gleichen Hersteller (Muso aus Osaka) finde ich jene Schätze, auf die gehofft habe. Fermentiertes Umami-Salz, Amazake und verschiedene Sorten Mirin, die ich noch nie gesehen habe.

Die Biobewegung sei noch relativ klein in Japan, meint Turo Takasaka von Muso auf meine Frage, wie viele Anhänger es denn in Japan gäbe, die sich mit Bioprodukten auseinandersetzen.umami salt (1 von 1)

Auf das Umami Salz bin ich jetzt ganz besonders gespannt. Umami, der fünfte Geschmack und was auf Japanisch einfach nur lecker beschreibt, wird oft genug mit dem bösen Glutamat in Verbindung gebracht, dabei ist er allgegenwärtig. In Käse, in Nüssen und Sardellen und Fleisch. Dieses fermentierte Bio-Salz, das so ein wenig an eine glibbrige Reispaste erinnert bekommt also bald seinen großen Auftritt.

Und jetzt nochmal zu der Frage, ob es sich gelohnt hat, früh aufzustehen und auf der Rückreise im Stau zu stehen, JA!, es hat sich gelohnt. Tolle Begegnungen und aufregende Entdeckungen über deren Einsatz ich unbedingt noch in der nächsten Zeit berichten werde.

 

 

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6 Responses to Impressionen von der Biofach, die Highlights abseits der populären Pfade und die Entdeckung von Umami Salz

  1. Claudia ~ Food with a View 20. Februar, 2014 at 21:58 #

    Vielen Dank für diesen spannenden Bericht, liebe Claudia! An der Stelle mit den Oliven habe ich laut geseufzt, die müssen großartig schmecken. Die Blüten-Gewürzmischungen von Sonnentor mag ich teilweise auch sehr gern – und rote Quinoa landete zufällig gestern auch in meinem Einkaufskorb. Ich bin gespannt, was Du daraus zubereiten wirst!

  2. Bonjour Alsace 16. Februar, 2014 at 17:15 #

    Dankeschön für deinen ausführlichen Bericht und fürs virtuelle Mitnehmen, irgendwenn würde ich das gerne mal live erleben.

    • Dinner um Acht 16. Februar, 2014 at 20:58 #

      Wie wäre es mit der Slowfood im April in Stuttgart?

      • Bonjour Alsace 16. Februar, 2014 at 22:29 #

        jaaaa, genau, da wollte ich schon letztes Jahr hin …. irgendwie wird die Wunschliste immer länger und länger….

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