And the Winner is…..
über Herzsprünge, Blackouts und eine sagenhafte Party – der Food Blog Award 2016

logoMama meinte, sie habe ein gutes Gefühl. Ich wusste nicht so recht, was ich eigentlich fühlen sollte, seit ich für den Food Blog Award nominiert wurde. Das war am Freitag Nachmittag, als ich mich sechs Stunden lang über die Autobahn nach Berlin hangelte. Ab Leipzig lief die Sache besser. Gaspedal am Anschlag. Seit ich für den Food Blog Award nominiert wurde, haderte ich mit meinen Gefühlen. Unbändige Vorfreude oder doch die weise, gewappnete Besonnenheit? Haltung, falls es nicht bis zum Siegertreppchen reichen sollte. Das Mittelding war eine gemäßigte Freude, wie das halt so ist in der Mitte. Weder oben noch unten auf der Amplitude.

Anspannung – da hilft Kochen

Verteilt über den Samstag stieg die Anspannung, im wunderbaren Küchenstudio von Warendorf Küchen auf dem Ku’damm wurde sie dann unerträglich. Ich wusste nichts mit mir anzufangen, stand plötzlich in einem Vakuum. Die Fähigkeit zur lockeren Konversation hatte sich grad verabschiedet. Ich sah sie noch zur Tür rausgehen. Was da hilft ist Kochen. Herrliche Zutaten waren für uns angeschafft worden, es galt in 25 Minuten ein Gericht zu kreieren. Einzige Vorgaben, gerne orientalisch (Reiseziel für die Gewinner ist Dubai) und mit einer Frucht. Bei der Frucht hatte ich schon nicht mehr so richtig zugehört. Ich stellte mich hin und hackte Kräuter, schnitt Tomaten in kleine Würfel und legte ein Steak bei 80° in den Ofen. Ich konnte die Anspannung im Zaum halten, als ich meine Zitronen abrieb. Großzügig fügte ich Zimt und Kreuzkümmel meiner orientalischen Salsa hinzu. Nach einer Viertelstunde holte ich mein Steak aus dem Ofen, erhitze eine Pfanne und briet es scharf an. Stellte es wieder zurück in den Ofen. Die Salsa war noch nicht fertig. Mehr Olivenöl, mehr Zitrone, mehr Koriander. Langsam wurde ich wieder ruhiger. Bevor ich das Steak aufschnitt, nahm ich noch ein paar Mandelblättchen, karamellisierte sie mit Apfel, Zimt und Pfeffer in der Pfanne. Das war’s. Auf den Punkt gebratenes Steak mit einer Chermoula-Salsa und karamellisierten Pfeffer-Mandeln. Alles wieder im Lack.
Mit einem Glas Riesling Sekt in der Hand, schwappte der Nachmittag langsam vor sich hin.

Keiner ist gelassen bei so einem Event, erzählt mir nix! Wir haben zwei Stunden Zeit uns hübsch zu machen. Sollte reichen. Ich versuche es mit einem kleinen Power-Schläfchen. Keine Chance. Also dann eine Serienfolge runterladen und berieseln lassen. Schon besser. Das Thema „Haare Aufdrehen“ verwerfe ich gleich wieder. Die Schwerkraft macht mir dann doch immer einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor sieben wieder Sektempfang, wahlweise Cocktails. Wir stimmen uns ein, machen ein Selfie nach dem anderen. Alle sehen so schön aus. Wir glitzern. Ein Glas geht noch, oder?

Dann endlich werden die Türen zum großen Saal geöffnet. Die Verleihung. Sie beginnt. Ich merke irgendwie nichts mehr von dem Sekt, habe ein trockenes Gefühl im Mund. Die Rede, der Jury, der kurzweilige Vortrag zum Reiseziel Dubai von meiner lieben Bloggerkollegin Mel, das alles zieht zügig vorbei. Dann geht es los. Die ersten Kategorien werden gekürt. Strahlende Gesichter, Applaus und Jubelrufe. Keine großen Dankesreden. Auch wenn es sich anfühlt wie bei der Oscar Verleihung. Hier hat man nicht die ganze Nacht Zeit. Und zwischen drin hüpfen auch keine Boy Groups über die Bühne.

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and the Winner is…

Da sind wir nun. Der beste kulinarische Reiseblog wird gekürt. Bilder der Blogs der drei Finalisten erscheinen auf der Leinwand. Entspannte Nackenmuskulatur fühlt sich gerade anders an. Und dann die drei Worte. Dinner um Acht. Kurz mache ich Augen zu. Ein gleißendes Gefühl schießt nach oben. Es ist wahr. Damn – Mama, warum bist du jetzt nicht hier? Du hattest so recht mit deinem Gefühl! Die Endorphine drehen auf volle Blende und schütten aus, als gäbe es kein Morgen. Es ist verflucht schön, diesen Preis zu bekommen. Die Moderatorin freut sich über meinen Bericht aus Marrakesch. Sie sei ja Marokkanerin. Ob ich wieder hin wolle, will sie wissen. Ja klar! Die Suche nach dem besten Ras-el-Hanout habe ich zu einer meiner Lebensaufgaben erklärt. Ras-El was? Sie hat keine Ahnung, wovon ich rede. Ein ganzer Saal weiß es besser. Wir sind Foodblogger. Und vor allem – wir sind so geile Foodblogger, Foodtuber und Instagramer. Jeder einzelne von uns. Wir wissen alle was Ras-el-Hanout ist. Eine marokkanische Gewürzmischung.

Ich hab dich beobachtet..

Es sind nicht die letzten Preise, die an diesem Abend vergeben werden. Es folgen die Preise, für die man sich nicht nominieren konnte. Der Jury Preis geht an den wunderbaren Blog „die See kocht“, wo es um Segeln, und was man in der kleinsten Kombüse Tolles kochen kann, geht. Wieder ein strahlendes Gesicht. Es ist so schön.
Der Burda Preis wird als Letztes verliehen. Ich höre nur noch mit halbem Ohr hin. Muss ein Bild vom Gewinn an Mama schicken. Fummle an meinem Handy rum. Ist so dunkel im Saal. Nach ein paar weiteren Sätzen wird irgendwo im Hirn plötzlich der Alarmknopf gedrückt. Hat sie da oben wirklich gerade von einer Wahlmünchnerin, von Toronto, Knollenziest und Südafrika gesprochen? Das kann jetzt nicht wahr sein. Meine Hände sind ganz nah an meinem Mund. Himmel, hilf mir atmen. Ich weiß grad nicht, wie das geht….
Der Burda Preis geht an „Dinner um Acht“!
Ich kann es nicht fassen. Noch weniger, dass es noch mehr Glückshormone gibt, als eh schon durch meinen Körper rasen. Achterbahnfahrt. Jetzt bloß nicht stolpern auf dem Weg zur Bühne. Einen Fuß nach dem anderen. Ich umarme nicht nur den Laudator, ich umarme die ganze Welt in diesem Moment. Danke, verdammt nochmal – Danke!
Später erzählt mir Franz vom Organisationskomitee, dass er genau mein Gesicht beobachtet hat. Wie aus einer irritierten Stirnfalte, grübelnd, zögernd, plötzlich ein Ausdruck von schierem „ich-kann-es-nicht-glauben“ Strahlen wurde. Hättest du das mal festgehalten, Franz! Ich hätte es zu gerne gesehen.
Ich danke dem Himmel, dass ich keine Rede halten muss. Ich hätte in diesem Moment kein einziges Wort rausbekommen. In Seligkeit verstummt, hätte man später lesen können.

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Nenn mich Rihanna!

Und dann, dann musste ich noch ein drittes Mal auf die Bühne. Das an meinem Körper waren nur noch Arme, die irgendwie rumflatterten. Ausnahmezustand im Hirn. Ich bekomme auch noch einen Preis für das beste Rezept. Dieses Rezept, das eigentlich überhaupt keines war, sondern meine ganz persönliche Beruhigungstherapie. Dieses Rezept hat ihnen am besten geschmeckt. „Das ist ja ganz wie bei Rihanna!“, ruft die Moderatorin. Ehrlich Leute, ich weiß nicht, wie die gute Rihanna damit umgeht, wenn sie ein drittes Mal auf die Bühne muss. Ich jedenfalls habe keinen blassen Schimmer. Ich glühe nur noch. Gleich macht es „Puff“ und alles ist vorbei. Aufwachen!
Da macht aber nix „Puff“, es passiert tatsächlich.

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die Sieger, die Jury – einfach viele strahlende Gesichter (mit Fotocredits: © Food Blog Award)

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Danke an “die Jungs kochen und backen” für das allerbeste Selfie des Abends ©Sascha Wett und natürlich Kochblog Radio für die Live Berichterstattung

Jetzt endlich kann ich es sagen!

Jetzt, sind sie wieder da die Worte. Sie haben sich Zeit gelassen, wieder zu mir vorzudringen. Jetzt, da alle Bilder zu einem glücklichen Ganzen miteinander sich verwoben haben, wo plötzlich die ganzen tollen Gespräche sich wieder aus der Erinnerung herausschälen. Was für eine Nacht! Was für ein Event!
Ich bin dankbar für diese Nacht, für diese Tage in Berlin, für die großartige Organisation! Ich sage Danke an alle Sponsoren, die das möglich gemacht haben. Ich bin unendlich dankbar, diese Tage in so toller Gesellschaft mit so tollen Menschen verbracht haben zu dürfen, die alle ihr Herzblut für ihren Blog geben. Die alle Gewinner sind. Allesamt! (hier – geht es zu der Liste der nominierten Blogs).
Und Danke, wer es geschafft hat, bis hierhin zu lesen.
Einfach Danke!
Euch allen.

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10 Responses to And the Winner is…..
über Herzsprünge, Blackouts und eine sagenhafte Party – der Food Blog Award 2016

  1. Alice 14. Oktober, 2016 at 14:05 #

    Auch hier nochmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Hab grad wieder eine Gänsehaut beim Lesen des Beitrages bekommen. Ich freu mich so sehr für Dich liebe Claudia, oder soll ich jetzt Rihanna sagen?! Du hast es sowas von verdient!!

    Liebe Grüße
    Alice

    • Claudia 14. Oktober, 2016 at 14:09 #

      Liebe Alice, vielen Dank und wie schön, dass du das mit Gänsehaut mit mir teilst.
      liebe Grüße
      Claudia

  2. zorra 14. Oktober, 2016 at 9:25 #

    Liebe Claudia, danke fürs Mitnehmen auf die Gefühlsachterbahn. Du hast verdient gewonnen!

    • Claudia 14. Oktober, 2016 at 9:32 #

      Liebe Zorra, vielen lieben Dank dafür.

  3. padrone 13. Oktober, 2016 at 23:59 #

    Wer noch nie gebloggt hat, kann es gar nicht wissen… wer Hausmeister und Mädchen für alles in seinem Blog ist und dazu mit Anspruch immer wieder neu als Werk geht, weiß mehr als genug… Respekt! Und genieße es!!!

    • Claudia 14. Oktober, 2016 at 9:35 #

      Lieber “Padrone”,
      der Respekt gebührt auch dir. Ich finde es toll, wie du auf deinem Blog immer die Nachhaltigkeits- und slow Food Fahne hoch hältst. Es ist eben alles eine Frage der Leidenschaft.
      Liebe Grüße
      Claudia

  4. Ben 13. Oktober, 2016 at 23:01 #

    Da fühlt man regelrecht mit liebe Claudia! Sehr berührend, inspirierend und hochverdient! Chapeau!

    • Dinner um Acht 13. Oktober, 2016 at 23:17 #

      Ben, das ist so lieb von dir. Ich kann es selbst immer noch nicht richtig glauben.

  5. Ursula 13. Oktober, 2016 at 22:35 #

    Herzlichste Glueckwuensche, wirklich verdient :) Freue mich riesig fuer Sie, alles Gute weiterhin :)

    • Dinner um Acht 13. Oktober, 2016 at 22:51 #

      Vielen herzlichen Dank!

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